Druckschrift 
3 (1827)
Entstehung
Seite
12
Einzelbild herunterladen
 

12

Von dem Worte Gottes.

wäre, und was sie vermochten, und allezeit noch ein Paar Aepffelnoder Birnlein heruntergeklopft.

Gottes Wort muß man recht wissen zu lehren und zu theilen;denn es sind zweyerley Leute: eins Theils sind im Gewissen erschreckt,betrübt, als die ihre Sünde und Gottes Zorn fühlen, und habenReue und Leid darüber; dieselben soll man trösten mit dem Evan-gelio. Darnach sind andern Theils hatte, böse, verstockte, halsstar-rige Hertzen, denen muß man das Gesetz predigen und sie strafen,und ihnen die Exempel göttlichen Zorns vorhalten, als: Elia Feuer,item die Sündfluth, Sodoms und Gomvrra Untergang, und die Zer-störung der herrlichen Stadt Gottes, Jerusalems; denn dieselbigenhartnackigen Köpfe muß man flugs angreiften und schrecken.

Die heilige Schrift halt uns aufs allerkläreste und kürzeste vor,wie man recht leben soll, und wie ein jeglicher in seinem Stande sichhalten möge, daß es Gott gefalle. Im Ehristenthum und in derReligion lehret sie also, daß man Gott fürchte, sein Wort höre undan Christum glaube, und denn den Nahesten auch liebe, als unsselbst. Im weltlichen Regiment lehret Gottes Wort und spricht zuallen Unterthanen: Seyd der Obrigkeit gehorsam. Im Hausregi-ment spricht sie: Ihr Männer liebet eure Weiber; item: Das Weibsey ihrem Mann unterthan; und: Ihr Eltern, ziehet eure Kinderauf in der Zucht und Vermahnunq zu dem Herrn. Aber der Pabstverachtet dieses alles und Halts für schlechte, gemeine und weltlicheDinge.

Es fragete einer über D.Luthers Tische: Wie es doch zuginge,daß das Evangelium von der Vergebung der Sünden, durch denGlauben an Christum, von so wenig Leuten angenommen würde?Man achtete des lieben Evangelii nicht viel, allein daß es etlichehöreten, und zwar (wie es im Pabstlhum geschehen und die Messegehöret wäre,) der größte Theil hörete nur aus Gewohnheit GottesWort, und wenn solches geschehen wäre, so meinete man, es wärenun alles ausgerichtet. Darauf antwortete D. Martinus und sprach.-Dem Krancken ist der Artzt nütze und angenehm, die Gesunden ach-ten sein nicht, wie man an dem Cananaischen Weiblein wohl stehet,Matth. 15, 22., die fühlete ihre und der Tochter Noth, darum liefsie Christo nach und wollte sich traun nicht lassen abweisen noch er-schrecken. Also muß auch Moses vorhergehen und die Sünde ler-nen fühlen, auf daß die Gnade süsse werde.