zuerst, nach ihm nach Rang und Würden die sämmtlichcn Anwe-senden. Der Silihdar Agha trocknet es nach jedem Kusse miteinem Tuche von Mnsliu ab, das der Küssende als angerührteReliquie erhält und bewahrt. Zuletzt wird eS von dem Mufti ge-waschen, indem er die geküßte Ecke leicht in ein großes silbernesmit Wasser gefülltes Gefäß taucht, und dies Wasser wird in einegroße Anzahl kleiner mit dem Siegel des Kizlar Aghasi versehenerGläser gefüllt, welche an alle Anwesende, an die Vornehmen unddie Damen des Harem vcrtheilt werden, n) Man gebraucht dasheilige Naß, indem man einige Tropfen davon in das Glas Wasserschüttet, mit welchem die Muslimen den Abend jedes Tages desFastcnmonatS ihre bekanntlich ganz ächten und strengen Fasten brechen.
Noch ein anderer, dem vorigen sehr ähnlicher Mantel des Pro-pheten-befindet sich in Constantinopel im Besitz der Nachkommenseines ersten Empfängers. Wie jener den Großen, wird dieserwährend der letzten Hälfte des Ramadhan dem Volke zur Verehrungausgestellt, so jedoch daß nur der Saum sichtbar ist und geküßtwird. Eine unzählige Menge processirt in der tiefsten Andacht zuihm hin, und da Opferstöcke dabei angebracht sind, ist die Ausstellungfür den jedesmaligen Inhaber ein einträgliches Gewerbe. Auch vondiesem wird heiliges Wasser vertheilt und er wird ebenso aufbe-wahrt wie die Burda.
„Die Muhammedaner, sagt Muradgca S. 40V, verehren nicht„die Reliquie als solche; ihre Andacht dabei bezieht sich allein aus„Gott; auch schreiben sie ihnen keine besondere Eigenschaft, keine„Wunderkrast zu, sondern allein Gotte, als der Quelle der himm-lischen Gnaden und dem alleinigen Verleiher alles Heils. Sie„erlauben sich daher nie einen Act der Anbetung gegen die Reliquien„ihrer Heiligen; wenn sie diese anrufen, geschieht es nur, sofern sie„Vermittler bei Gott sind; selbst wenn sie ihre Bitten an Muham-„mcd richten, geschieht es nicht anders als in dieser Eigenschaft,„da er der Heilige vorzugsweise, der letzte und größeste der Pro-pheten ist."
Daß diese Grundsätze bei ihnen nicht bloß, etwa zur Recht-fertigung gegen die Christen, als Lehre aus dem Papier stehen, son-
a) Ein ähnliches Beispiel im Anhang N.