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[1] (1844)
Entstehung
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ben aber trat, wie aus jeder Kirchcngeschichte zu ersehen ist, einUmschwung ein. Durch mannichfaltige Umstände veranlaßt, entfal-tete sich in allen Ländern Europas eine Fülle der wärmsten Mystikund Askese. Damals ging Kaiser Otto III. in Träumen, Visionen,religiöser Selbstquälcrci zu Grunde, damals wurde Europa durchdie Furcht vor dem Weitende erschüttert, damals nahmen die Wall-fahrten nach Rom und Jerusalem einen ganz neuen, vorher niegeahnten Aufschwung. Weiterhin folgten sich die Reformen des Bc-nedictinerordens, das Kloster Clügny erhielt durch strenge DiSciplinund reichliche Wunder seinen Ruf, die allgemeine Gesinnung bahntesich an, aus welcher Gregor VII. seine wcltbHerrschende Hierarchieausführte. In diesem Zusammenhange erscheint ein verstärktes Aus-blühen des Ncliquienglaubcnö nur als ein Ring in einer weitvcr-schlungcncn Kette. Schon damals, lange Zeit vor den Krcuzzügenbegann ein häufiger Verkehr mit Reliquien zwischen Morgen- undAbendland, von berühmten Bischöfen dieser Zeit haben wir Predigt-sammlungcn, die sich fast ausschließlich mit diesen Gegenständen be-schäftigen, wir kennen einen Heiligen, welchen das Volk erschlagenwollte, um seine Gebeine als Reliquien zu besitzen»). Höchst be-zeichnend für die allgemeine Sehnsucht und Gläubigkeit in dieserBeziehung ist die Erzählung eines französischen Schriftstellers dieserJahre, Glabcr Noduls, von einem Menschen, welcher hundert Kir-chen mit selbstgemachten Reliquien versah, den die Bischöse undAebte gewähren ließen, weil der Drang des Volkes einmal nichtabzuweisen war. Ich möchte nicht, daß man mich hier mißverstän-de, und in dieser Anführung eine bestimmte Verdächtigung des da-maligen Tricrischen Ekerns suchte. Nicht einen Betrug will ich an-deuten, sondern die populäre Stimmung hervorheben, für derenBefriedigung man hier und da sogar des Betruges nicht cntrathenkonnte. Wenn das Verlangen nach einem religiösen Gegenständein solcher Kraft und Allgemeinheit vorhanden ist, so schafft es sichseine Erfüllung, wenn nicht mit bewußter, so doch mit verborgenerTäuschung, und weist in jedem Falle auch den Schein einer Prüfungmit Unwillen zurück. Hier liegt die Kraft einer wahren kirchlichenTradition. Sic wird nothwendig kindisch oder unehrlich, wenn siein der Weise des Hrn. Marx nach künstlichen Stützen der Wissen-schaft hascht; sie kann unter weiser Leitung aus ganze Geschlechter

») Schrocckh KGesch. xxm, 4t.