Druckschrift 
[1] (1844)
Entstehung
Seite
93
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welchem beklehdet erschienen ist einem Gottseligen andächtigen Prie-ster einer Königin in Ungarn Hoff-Kapellanen in kindlicher GestaltChristus Jesus unser lieber Herr und Gott auff dem Altar als er dasH. Meßopfer verrichtet. So allhier in Collen in der Kirchen desJungfern-Klosters zu den weißen Frawen Regularischer CanonissenS. Augustini unter dem Schutz der H. Patronin Maria Magdalenagestiftet aufbehalten wird."

Um 1260 erhält ein Sacellan der Gemahlin des UngarnkönigsBela, der 33 Jahre langmit viel Fasten und Gebett täglich das Amtder H. Meß verrichtet" und gern Christusin der menschlichen Gestaltdie er hat angenommen" sehn möchte, durch einen Cngcl den Befehl,einen Rock zu verfertigen in der Größe, in welcher er ihn zu erblickenwünscht.Als aber der Priester ihn lieber wollte sehn in kindlicher,lieblichster Gestalt, hat er von Senden ein blaues, doch mehr violfar-biges Röcklcin verfertigt, welches er an Platz des Kclchtuchs auff denKelch im heiligen Meß-Opfer gelegt auf den Altar, allwo als er dieWort der heiligen Uoosecrstion gesprochen und die H. Hosth in denwahrhaften Leib Christi verwandelt, die H. Hosty alsbald in sichtbar-lichen Leib sich verwandelt des Kindleins Jesu, mit selbigem violfar-bigenRöcklein bekleidet und dem Priester ein hochfrewlichst anmuthigstSgeetaeul verursacht, welcher, als er vcrmeynet, gar eine geringeZeit dessen genossen zu haben, dannoch bey die drei Stunden sich da-bey auffgehalten." Der Nock kommt zuerst in die Schatzkammer derKönigin, und als einige Jahre später einDeutscher-Ordens General-meister" ihn sich als Belohnung geleisteter Kriegsdienste ausbittet, be-hält dieselbe den linken Aermel, während er das Uebrige zu seinerSchwester im Magdalenenkloster zu Cöln schickt. Beide sterben, derRock bleibt ungekannt in einer Kiste, bis am 12. Juni 1412 die Un-garn auf einer ihrer gewöhnlichen alle sieben Jahre wiederholten Pilger-fahrten nach dem Rock fragen, worauf man ihn noch in der Kiste ver-schlossen und, zur völligen Sicherheit, ohne den einen Aermel findet,der noch zu Ofen aufbewahrt wird 22).

Wohin der Nock gekommen, ist unbekannt; einer mündlichen sehrzuverlässigen Nachricht zufolge wußte eine der letzten Nonnen des auf-gehobenen Klosters sich desselben überhaupt nicht mehr zu erinnern.