Druckschrift 
[1] (1844)
Entstehung
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rungen unter den Gläubigen. Im Original bleibt der Inhalt der Kistevöllig unbestimmt, bei Hrn. Marr sind die Gläubigen seitdem4. Jahr-hundert sicher darüber, daß es ein Kleid des Erlösers ist, und fragennur ob Nock oder Schuhe. Die Naivität dieses beneidenswcrth unbe-fangenen Werfahrens erscheint um so glänzender, als sie sich auf S. 28zum größten Theile wiederholt. Da heißt es nämlich: längereZeit nach dem h. Agritius hätten die Gläubigen zuTrier verschiedene Wermuthungen unter sich ausgesprochen, was dasdoch für Reliquien sein möchten w. Die Dosis ist hier etwas ge-linder, der unbestimmte Ausdruck Reliquien ist nicht durch den be-stimmten verdrängt worden; aber der Grund auch dieser Aenderungliegt zu Tage. Hier nämlich kommt die Geschichte nur beiläufig ineiner Note vor, während sie oben indem ausdrücklichen Zusammen-hange der obersten Beweisführung austritt. Es ist also begreiflich,warum die Waffen an jener Stelle noch emsiger geschärft werden.

Ob dies Verfahren einen technischen Namen im literarischen Ver-kehr hat, weiß ich nicht zu sagen. Im bürgerlichen ist die Bezeich-nung bekannt genug und gleichlautend in allen Strafgesetzen. Ich wie-derhole meine Frage: wer wird noch in der Vita Agrieii ein Zeugnißfür die Tradition vom h. Nock suchen, nachdem Hr. Marr solcherMittel bedurft hat, um eins darin zu finden.

Sehen wir zu, in welcher Zeit der von ihr erzählte Vorfall, seineAuthenticität eingeräumt, sich zugetragen haben kann. Der Schrift-steller beruft sich auf die Erzählung der Vorfahren. Wer des dama-ligen Sprachgebrauchs irgendwie kundig ist, weiß auch, daß der Aus-druck Vorfahren nicht eben in ein graues Alterthum znrückzudeutenbraucht. Der Schriftsteller konnte ihn anwenden, wenn etwa einGreis, der in seiner Jugend der Eröffnung des Kastens beigewohnt,ihm darüber Bericht erstattet hatte. Nichts hindert uns also, denVorfall in das 10. oder den Anfang des 11. Jahrhunderts zu setzen,und hier die ersten Spuren jener Gerüchte aufzufinden. Diese Ver-muthung erhält die größte Wahrscheinlichkeit durch folgende allgemei-nere Betrachtung. Die religiöse Haltung deS 10. Jahrhunderts zeigtsich, mit früheren oder späteren zusammengehalten, ungleich wenigerschöpferisch, phantasievoll, begeistert. Aeußeres Elend in seiner ersten,anderweitige geistige Richtungen in seiner zweiten Hälfte erklären eshinreichend. Gegen Ende desselben aber trat, wie aus jeder Kirchen-