Zunächst ist festzuhalten, daß die gewöhnliche Tunica der Män-ner nicht bis auf die Füße hinabfiel, sondern bis an das Knie odersehr wenig darunter reichte. Dies bringt die Natur der Sache mitsich: sie war das gewöhnliche Arbeitskleid und wurde bei größererLänge hinderlich gewesen sein; deßhalb findet man dies gleichmäßigbei Griechen und Römern, wie bei den heutigen Syrern und Ara-bern °), und zugleich ist es so noch in der römischen Kaiserzeit dieTracht des edlen Anstandet).
War die Tunica länger, so wird dies immer besonders bemerkt.Die Frauen trugen dergleichen aus Gründen des Auslandes') (bei denRömern hat die weibliche Tuniea den besondern Namen Stola); beiMännern aber galt es immer als Zeichen der Weichlichkeit, ja aus-gelassener Sitten, lange Kleider dieser Art zu haben, und erst in sehrspäter Zeit ward dies weniger anstößig. Von reicheren und üppigerenVölkern wird es ausdrücklich hervorgehoben, wenn sie lange Tunikentrugen: von den Joniern, Lydern, Babyloniern, Medcrn. Ebensowird die Länge des Unterkleides als unterscheidendes Merkmal derPricstertracht bei mehreren alten Nationen bemerkt'').
Dasselbe Verhältniß fand bei den Hebräern Statt. Das ge-wöhnliche Unterkleid, Kuttonct, entspricht der Tunica und ist ebenso kurz wie diese, wie sich nicht bloß aus einzelnen Andentungen imAlten Testamente ergiebt°), sondern auch daraus, daß eine längere
a) Man vergleiche die treuen Bilder NicbuhrS Beschr. v. Arab. Taf. 15»1K. Reise l. Taf. 38. 39. K4. 5K. (bei einer Frau), wo das Unterkleid über-all nur zum Knie reicht. Etwas länger, das halbe Schienbein bedeckend,findet es sich Reise I, Tafel 71. bei einem vornehmen Manne, Taf. 59. beieiner Frau. Der Gürtel dient dabei überall nicht etwa , um die Tunicaaufzuschürzen, sondern um das sonst durch sein Schlottern hinderliche Ge-wand fest an den Körper zu schnüren.
b) guint. XI, 3, 138.
c) los. Xntt. V II, 8, I: «gzel räkv rrgös rö /7lt?rkack«l.'
k) Von den Phöniciern sagt dies Herodian V, 3, II; 5, 31, an welchen Stel-len er einen Baalspfaffenrock beschreibt, und wenn man diese Stellen ver-gleicht, wird es deutlich, daß der Trierer Rock seiner Form nach am meisteneinem solchen entspricht.
e) 3 Sam. K, 39. 3 Mos. 38, 43. 3 Mos. K, 3. Vergl. dazu Zahn Archäol.III. 345, der die richtige Erklärung hat. Auch Josephns bezeichnet die späterlänger gewordene Tunica der Priester ausdrücklich als ?rock-)x»/e Arth. III, 7,3 und nennt sie XX, 9, K auch welche Benennung dem gewöhnlichen
Chiton nicht beigelegt werden kann; ihre Länge brauchte er nur dann beson-ders hervorzuheben, wenn zu seiner Zeit die gewöhnliche Tunica kurz war.