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[1] (1844)
Entstehung
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Man wird zugeben, daß in diesem Falle allerdings mit der ab-strakten Möglichkeit nichts gesagt sei und daß sie gar nicht zu irgend ei-ner Annahme oder Folgerung führen könne; aber man wird sagen,daß das Beispiel nicht passe; man hat einige Bücher über den heiligenRock gelesen und sich daraus entnommen, daß Urkunden, daß derGlaube einer langen Zeit ihn legitimiren; man ist höflich genug, vondiesen gelten zu lassen, daß sie den Unterschied zwischen Möglichkeit undWirklichkeit völlig ausgleichen.

In der Pcterskirche zu Venedig wird ein prachtiger, aus sechsverschiedenen Marmorarten zusammengesetzter Lehnstuhl aufbewahrt,als derjenige, auf welchem der Apostel Petrus als Bischof zu Antio-chien gesessen. Urkunden führen ihn bis zum neunten Jahrhun-dert hinauf, in welchem ihn der byzantinische Kaiser Michaelnach Venedig geschenkt habe; papstliche Jndulgenzen sind ans seine an-dächtige Verehrung gesetzt; eine ununterbrochene Tradition, der felsen-feste Glaube vieler Jahrhunderte bewahrheiten ihn. Welche Stützen,wird man sagen, hat hier die Möglichkeit, daß es wirklich derStuhl des Petrus gewesen! Wie wahrscheinlich, daß man ein solches»Erinnerungszeichen« an den »Fürsten der Apostel« zu Antiochiensorgfältig bewahrte, daß man es vor Persern und Muhamedanern nachByzanz rettete, daß es als kostbares Geschenk nach Venedig kam. Denbösartigen Kritiker, der es dem Hieronymus nicht glauben will, daßPetrus in Antiochien gewesen, wird man vielleicht mit diesem Stuhlseines Jrrthums überführen. Aber leider befindet sich auf dem Haupt-theile desselben eine arabische Inschrift, die ergötzlicher Weise einigeSprüche aus dem Koran enthält und beweist, daß der Stein der Grab-stein eines im Krieg gegen die Christen gefallenen Muhamedaners sei.Der Abbate Assemani zu Padua und der deutsche Orientalist Tychsenentzifferten sie gleichzeitig 1787. Assemani's Abhandlung ward von derCensur unterdrückt. Der Stuhl genießt noch heute die alte, ihm ge-bührende Verehrung *).

Vielleicht möchte dies Beispiel zeigen, daß es eine rein müssigeSache ist, nach der Möglichkeit zu fragen, ehe man den wirklichen That-bestand nach allen Seiten genau untersucht hat. Nachdem solches hierfür den Trierer Rock geschehen ist, wird man hoffentlich sich bequemen,den Umständen nach für ihn diese Frage fallen zu lassen. Zur Ent-schädigung'bieten wir eine Auswahl von ungefähr zwanzig andernRöcken, die gleiche Ansprüche machen, und bitten an ihnen der Reihenach, so viel es beliebt, die Möglichkeitsprobe zu machen; bei vielenderselben haben wir in der That so wenig bestimmte Nachrichten vonihrer Geschichte, daß hier die Möglichkeiten allen wünschenswcrthen

*) Vgl. Fürst er Handbuch für Reisende in Italien ISIS. S. 523- LewaldHandb. f. R. nach Italien. 18ti). S. SV. Das Nähere über die Inschriftist zusammengestellt beiHartmann, Tychsen II, 2, 1S4174.