Druckschrift 
[1] (1844)
Entstehung
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V o r r e d e.

Es ist nicht so sehr eine planmäßige Absicht gewesen, welcherdie vorliegende Schrift ihr Dasein verdankt, als sie vielmehr durch zu-fällige Anregungen veranlaßt ist, wir sie gelegentliche Gespräche überdas sonderbare Schauspiel zu Trier, das in den letzten Monaten nichtbloß in der nächsten Provinz so großes Aufsehen erregt hat, mit sichbringen mußten. Die Verfasser haben es lange Zeit für unnütz, ja lä-cherlich gehalten, mit ernsthaften Gründen gegen die Aechtheit desTrierer Rockes zu Felde zu ziehen. Sie haben aber so vielfach, vonsonst ganz vernünftigen, wenn auch vielleicht in der Kirchcngeschichteweniger bewanderten Personen die Meinung hören müssen: wenn auchdie Aechtheit des Trierer Nockes vielleicht nicht mit Evidenz dargethanwerden könne, so stehe doch auch das Gegentheil nicht zu erweisen,und die Möglichkeit, daß dies das wahre ungenähte Kleid ausJoh. 19, 23. sei, bleibe nicht bloß, sondern man dürfe sich auch beidieser vollkommen beruhigen; sie haben diese Meinung so vielfach biszu einem Grade von unsittlicher Unparteilichkeit zwischen Wahrheitund Unwahrheit gesteigert gefunden, welche es für die Ueberzeugungfür ganz gleichgültig erklärte, ob der Nock ächt oder unächt sei: daßsie endlich die Notwendigkeit einsahen, da kein Anderer das Geschäftübernahm, ein öffentliches Wort in der Sache zu reden. Sie habendabei zunächst jene gutmütigen Behauptungen von der möglichenAechtheit des Rockes im Auge gehabt und legen den Urhebern derselbendas wahre Sachverhältniß, wie es sich aus dem sichern historischenMaterial und dessen kritischer Betrachtung ergiebt, mit der Bitte vor,daran ihren Begriff der Möglichkeit zu prüfen.

In der That ist nicht abzusehen, wie man sich in dieser Frage mitder bloßen Möglichkeit beruhigen kann, die ohne die Wirklichkeit ge-radezu mit der Unmöglichkeit zusammenfällt. Selbst bei minder wich-tigen Dingen Pflegt man sonst ganz anders zu schließen. Wenn einAntiquitätenhändler wir erzählen einen wirklichen, im verflos-senen Herbst geschehenen Fall einem reliquiennärrifchen Eng-länder ein Stück alte Schlacke als herrührend von einem der frü-heren verunglückten Versuche des Porzellanerfinders Böttcher für zehnGulden verkaust, so wird es schwerlich Jemandem einfallen, Käuferund Verkäufer mit der Möglichkeit, daß die Sache ächt sein könne, zurechtfertigen: man wird sich ohne Weiteres über den einen wundern,über den andern indigniren. Und doch beträgt der Zwischenraum derZeit hier nicht etwa elf, sondern nur etwas mehr als ein Jahrhundert.