( 122 )
eigener Erfahrung, liebte das Gute, undwurde immerfort wieder von der bbsen Ge-wohnheit dahin gezogen, wohin ich nichtwollte. Um so weniger schien mir doch dieEntschuldigung zu gelten, die ich ehemals beymir selbst vorwandte, daß ich nemlich dieWahrheit noch nicht erkenne; denn nun er-kannte ich sie, und mein Herz weigerte sichdennoch ihr zu gehorchen. Die Last derWeltlüste lag noch zu sanft auf mir, undwenn ich an Dich dachte, so war's mir, wieeinem, der gern vom Bett aufstehen will,aber allemal von süßem Schlummer erdrückt,sich wieder niederlegt. Wie aber niemand ist,der gern bestandig schlafen möchte, und nachaller vernünftiger Menschen Urtheil das Wa-chen besser ist, der Schläfrige aber, wahrender sich selbst darum mißfallt, es immer auf-schiebt, aufzustehm, obgleich er weiß, daßdie Stunde des Zlufstehens da ist — so warich! so hielt ich diifür, es wäre besser, michDeiner Barmherzigkeit zu übergeben, als mei-ne Begierde zu überwinden. Ich konnte Dirnichts antworten, wenn Du zu meiner Seelesagtest: „Wache auf, der du schläfst, undstehe auf von den Todreu, so wird dichChristus erleuchten!" und ich allenthalben dieWahrheit dessen lwstättigt fand — ich konnte
Dir