82 Predigt am Ostertage.
gung, daß die Jünger sich freuen und der Auferstehung annehmensollen. Nun aber siehe, wer sind die Jünger? Ist es nichtwahr, arme Sünder sind es, die bey dem Herrn übel gehalten,und in seiner größten Noch ihn schandlich verlassen, Petrus son-derlich, der ihn auch verleugnet. Ueber das sind sie jetzt bey ein-ander, dürfen sich vor den Jüden nicht sehen lassen. Da ist keinGedancke, daß Christus wieder leben und allererst sein Reich an-richten sollte. Und da die Weiblein schon kommen, will ihr kei-ner solches glauben, sondern halten es für eine Fabel; ja, dader Herr selbst kömmt, und weiset ihnen Hände und Füsse,laßt sich fühlen und angreifsen, wollen sie dennoch nicht daran,daß es wahr sey. Daß nun dem Engel so viel daran gelegen ist,man soll den Jüngern, die gar im Unglauben ersoffen, und imbösen Gewissen lagen, die Auferstehung Christi verkündigen, dasist je eine gewisse Anzeigung, daß der Herr Christus den armenSchwachgläubigen, ja schier gantz und gar Ungläubigen, zumTrost ist auferstanden, daß sie sein gemessen, Hülfe und Schutzbey ihm suchen und finden sollen. Darum, so wir in uns der-gleichen Schwachheit, Sünde und Unglauben befinden, so sollenwir derohalben nicht verzweifeln, noch dencken, als wolle Christusunser nicht, sondern hier lernen, daß solchen armen, schwachen,elenden Sündern zu Trost die Engel vom Himmel kommen unddurch die Weiber bestellen müssen, daß sie erfahren, Christus sevauferstanden, und derohalben Trost und Freude daraus schöpffensollen. Das ist nun der lieben Engel Predigt von der AuferstehungChristi, die darum vomHimmel kommen, daß die armen erschrocke-nen Gewissen derselben innen werden, sich freuen und trösten sol-len. An solcher Predigt und Zeugniß sollte uns genügen; aberda kömmt Christus selbst zu den Weibern, und prediget ihneneben wie die Engel, grüsset sie auf das allcrfreundlichste, undsagt auch zu ihnen, sie sollen sich nicht fürchten. Will damituns alle lehren, wie wir seiner Auferstehung recht sollen brauchen,daß wir alle Furcht ausschlagen, fröhlich und guter Dinge seynsollen. Denn da ist je nichts in der gantzen Welt, das einenChristen, der Christum zum Herrn hat, schrecken könnte. DieSünde wirds nicht thun, denn wir wissen, daß Christus dafürbezahlet hat. Der Tod wirds auch nicht thun, denn Christushat ihn überwunden. Die Hölle hat er zurissen, den Teufel ge-bunden und gefangen. Ob nun die Welt, ihrer Art nach, denChristen feind ist, und alle Plage anleget, wie soll man ihm thun?Es ist doch nur alles zeitlich Leiden, da wir dagegen wissen,