öd Predigt am ersten Sonntage in der Fasten.
gar, und greifst sie mit Jrrthum, Blindheit und falschem Ver-stand der Schrift an. Wo er da gewinnet, da gehet es wederzur Lincken noch zur Rechten wohl; sondern man leide Armuth,oder habe Fülle, man streite, oder gebe sich darinnen gewon-nen, so ist alles verloren. Denn in Jrrthum hilft weder Ge-duld im Unglück, noch Beständigkeit im Glück; sintemal in Hey-den Stücken die Ketzer oft machtig sind, und der Teufel auchgerne sich stellet, als er überwunden sey fwiewol er nicht über-wunden ist,) in der ersten und letzten, wenn er nur in der mit-telsten und andern gewonnen hat. Denn er laßt die Seinen auchwohl viel mangeln und geduldig seyn, wiederum die Welt ver-achten; aber keines nicht mit rechtem Hertzen und Glauben. Sosind nun diese drey Anfechtungen allzumal schwer und hart; aberdie mittelste ist die grosseste; denn sie ficht die Lehre des Glaubensselbst an im Geist, und ist geistlich und in geistlichen Dingen.Die andern zwey fechten den Glauben an in äußerlichen Dingen,als im Glück und Unglück, in Lieb und Leid :c., wiewohl sieauch beyde uns tief suchen. Denn wehe thut es, daß man sichan den Himmel halten soll, und immer mangeln und essen vonSteinen, da kein Brod ist. Wiederum wehe thut es, Gunst,Ehre und Gut, Freunde und Gesellen verachten, und fahren las-sen, das man schon hat. Aber der Glaube vermag es alles, inGottes Wort gegründet; ist der starck, so ists ihm auch leicht.
Am letzten sind die Engel zu ihm getreten, und haben ihmgedienet. Das muß leiblich zugegangen seyn, daß sie leiblich erschie-nen sind, und haben ihm Essen und Trincken gebracht, und gleich-wie zu Tische und aller Nothdurft gedienet. Denn der Dienst istausserlich seinem Leibe geschehen-, gleichwie auch der Teufel, seinVersucher, ohne Zweifel in leiblicher Gestalt erschienen ist, viel-leicht auch als Engel. Denn, daß er ihn auf die Zinnen des Tem-pels stellet, und weiset ihm auch alle Reiche der Welt in einem Au-genblick, muß er etwas höhers gewesen seyn, denn ein Mensch;wie er sich denn auch etwas höhers dargibt, da er ihm anbeut alleReiche auf Erden, und will sich anbeten lassen. Er wird aber desTeufels Gestalt freylich nicht geführet haben, denn er ist gernschön, wenn er lügen und trügen will, wie St. Paulus von ihmsagt 2 Eor. 11, 14., daß er sich als ein Engel des Lichts stellet.
Solches aber ist uns zum Trost geschrieben, daß wir wis-sen, wie uns viel Engel wiederum dienen, wo uns ein Teufelanficht; so wir ritterlich fechten, und so wir stehen, so läßt unsGott nicht Mangel leiden, es müssen ehe die Engel vom Him-