Druckschrift 
Blüthen aus Italien : [Gedichte]
Entstehung
Seite
25
Einzelbild herunterladen
 

R a p h

(8s war ein Herbsttag. Trüber Nebel wallteAm Saum der kahlen Berge. Rauhe LuftDurchstrich die Stoppeln. Im Gebüsch erschallt«Kein Lied. Die Gegend schwieg wie eine Gruft,Still saß ich da vor Roms zerfallnen Thoren,In schöner Zeil Erinn'ruug sanft verloren.

Ich sah: Das Morgenrvth zerfloß am Himmel,Aus langem Schlaf erwachte jetzt die Welt.Wie regten sich in herrlichem GewimmelDie Geister, von des Wettstreits Glanz erhellt.Scheu floh die Eule vor des Lichtes Söhnen,Die nur dem Wahren huldigien und Schonen.

Doch alles Schöne, je dem Geist entflossen,Werdunkelt ward's von den Gestalten dort,Die, wie von Gott liebathmend hingegossen.Als Ideale leuchten fort und fort.

Auf Erden ward ihr Urbild nie gesehen,

Winkt uns nur von des Glaubens Stralenhöhsn.