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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
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Die Befreiung. 2gg

die selbst zu allen Zeiten in weit reichlicherem Maße Fürstenblntvergossen haben, nicht als laute Kläger auftreten sollten. Nur zweiKönige, beide vielmehr Könige des Adels als des Volkes, hat dasVolk geopfert, nicht in Fricdenszeit, nicht niedriger Interessen wegen,sondern in äußerster Kriegsbedrängnis, als es sich von ihnen ver-raten sah, und während es seines eigenen Blutes am wenigstenschonte; aber gewiß mehr als tausend Fürsten fielen meuchlings, undder Habsucht oder frivoler Interessen wegen, durch den Dolch, durchdas Schwert und durch das Gift des Adels und der Pfaffen. Esist, als ob diese Kasten den Fürstenmord ebenfalls zu ihren Privi-legien rechneten, und deshalb den Tod Ludwigs XVI. und Karls I.um so eigennütziger beklagten. O, daß die Könige endlich einsähen,daß sie alS Könige des Volkes im Schutze der Gesetze viel sichererleben können, als unter der Guarde ihrer adligen Leibmörder.

Aber nicht bloß die Helden der Revolution und die Revolutionselbst, sondern sogar unser ganzes Zeitalter hat man verleumdet, dieganze Liturgie unserer heiligsten Ideen hat man parodiert, mit un-erhörtem Frevel, und wenn man sie hört oder liest, unsere schnödenVerächter, so heißt das Volk die Canaille, die Freiheit heißt Frech-heit, und mit himmelnden Augen und frommen Seufzern wird ge-klagt und bedauert, wir wären frivol und hätten leider keine Religion.Heuchlerische Duckmäuser, die unter der Last ihrer geheimen Sündenniedergebeugt einherschleichen, wagen es ein Zeitalter zu lästern, dasvielleicht das heiligste ist von allen seinen Vorgängern und Nach-folgern, ein Zeitalter, das sich opfert für die Sünden der Ver-gangenheit und für das Glück der Zukunft, ein Messias unter denJahrhunderten, der die blutige Dornenkrone und die schwere Krenzcslastkaum ertrüge, wenn er nicht dann und wann ein heiteres Vande-ville trällerte und Späße risse über die neueren Pharisäer und Sn-ducäer. Die kolossalen Schmerzen wären nicht zu ertragen ohnesolche Witzreißcrei und Persiflage! Der Ernst tritt um so gewaltigerhervor, wenn der Spaß ihn angekündigt. Die'Zeit gleicht hieringanz ihren Kindern unter den Franzosen, die sehr schreckliche leicht-fertige Bücher geschrieben, und doch sehr streng und ernsthaft seinkonnten, Ivo Strenge und Ernst notwendig wurden; z. B. LaclvSund gar Lonvct de Convray, die beide, wo es galt, mit Märthrewkühnheit und Aufopferung für die Freiheit stritten, übrigens abersehr frivol und schlüpfrig schrieben, und leider keine Religion hatten.

Als ob die Freiheit nicht ebensogut eine Religion wäre als jedeandere! Da es die nnsrige ist, so könnten wir, mit demselben Maßemessend, ihre Verächter für frivol und irreligiös erklären.