200 Neisebilder II.
Brot sich leibeigen selbst den hohen Herren verkaufen, sie werden ihnvor den Pflng spannen nnd peitschen, er wird nicht einmal brnmmcndürfen, denn auf der einen Seite droht ihm der Herzog von Wellingtonmit dem Schwerte, und ans der andern Seite schlagt ihn der Erzbischofvon Canterburh mit der Bibel auf den Kopf — und es wird Ruheim Lande sein.
Die Quelle jener Übel ist die Schuld, Iiis nninonnl llsdt, oder,lvie Cobbett sagt, Urs Irinas clslrt. Cobbctt bemerkt nämlich mitRecht: Während man allen Instituten den Namen des Königs voran-setzt, z. B. blas leine's arm^, Urs IrinA'o rrnvz-, Urs leine's vonrts,Urs üin^'s prrsoirs sto., wird doch die Schuld, die eigentlich ausjenen Instituten hervorging, niemals Urs lrin^'s cisdt genannt, undsie ist das Einzige, wobei man der Nation die Ehre erzeigt, etwasnach ihr zu benennen.
Der Übel größtes ist die Schuld. Sic bewirkt zwar, daß derenglische Staat sich erhält, und daß sogar dessen ärgste Teufel ihnnicht zu Grunde richten, aber sie bewirkt auch, daß ganz Englandeine große Tretmühle geworden, wo das Volk Tag und Nacht arbeitenmuß, um seine Glaubiger zu füttern, daß England vor lauter Zah-lungssorgcn alt und grau und aller heiteren Jugcndgcfühle ent-wöhnt wird, daß England, wie bei starkverschuldeten Menschen zugeschehen Pflegt, zur stumpfsten Resignation niedergedrückt ist und sichnicht zu helfen weiß — obgleich 900,000 Flinten nnd ebensovielSäbel und Bajonette im Tower zu London aufbewahrt liegen, unddie Wächter desselben, die feisten rotröckigen VeefeaterS, leicht über-wältigt wären.
IX.
Die Schuld.
Als ich noch sehr jung war, gab es drei Dinge, die mich ganzvorzüglich interessierten, wenn ich Zeitungen las. Zuvörderst, unterdem Artikel „Großbritannien," suchte ich gleich, ob Richard Martinkeine neue Bittschrift für die mildere Behandlung der armen Pferde,Hunde nnd Esel dem Parlamente übergeben. Dann, unter demArtikel „Frankfurt", suchte ich nach, ob der Herr Doktor Schreibernicht wieder beim Bundestag für die grvßherzoglich hessischen Domttnen-kttnfer eingenommen. Hierauf aber fiel ich gleich über die Türkeiher und durchlas das lange Konstantinvpcl, um nur zu sehen, obnicht wieder ein Großvezier mit der seidenen Schnur beehrt worden.
Dieses letztere gab mir immer den meisten Stoff zum Nach-denken. Daß ein Despot seinen Diener ohne Umstände erdrosselnläßt, fand ich ganz natürlich. Sah ich doch in der Menagerie, wie