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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
186
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Rcisebilder H.

Das Gepräge John Bults ist sv tief und scharf, wie das einergriechische» Denkmünze; und wo und wie man ihn findet, sei es inLondon oder Kalkutta, sei es als Herr oder Diener, kann man ihnnie verkennen. Überall ist er ein Wesen wie eine plumpe Thatsache,sehr ehrlich, aber kalt und durchaus abstoßend. Er hat ganz dieSolidität einer materiellen Substanz, und man kann nie umhin zubemerken, daß, wo er auch sei und mit wem er auch sei, John Bullsich doch immer als die Hauptperson betrachtet so wie auch, daßer niemals Rat oder Lehre von demjenigen annehmen wird, der sichvorher die Miene gegeben, als ob er dessen bedürfe. Und wo er auchsei, bemerkt man: sein eigener Komfort, sein eigener unmittelbarer,persönlicher Komfort, ist der große Gegenstand all seiner Wunscheund Bestrebungen.

Denkt John Bull, daß Aussicht zu irgend einem Gelvinn, vor-handen sei, so wird er schon beim ersten Zusammentreffen sich mitjeniand einlassen. Will man aber einen intimen Freund an ihmhaben, so muß man ihm wie einem Frauenzimmer die Cour machen;hat man endlich seine Freundschaft erlangt, so findet man bald, daßsie nicht der Mühe wert war. Vorher, ehe man sich um ihn be-warb, gab er kälte, genaue Höflichkeit, und was er nachher zu gebenhat, ist nicht viel mehr. Man findet bei ihm eine mechanische Förm-lichkeit und ein offenes Bekenntnis jener Selbstsucht, welche andereLeute vielleicht ebenso stark besitzen, aber gar sorgsam verbergen, sodaß uns das kostbarste Gastmahl eines Engländers kaum halb so gutschmeckt wie die Hand voll Datteln des Beduinen in der Wüste.

Aber während John Bull der kälteste Freund ist, ist er dersicherste Nachbar, und der geradsinnigstc und generöseste Feind;Währeltd er sein eigenes Schloß wie ein Pascha hütet, sncht er niein ein fremdes einzudringen. Komfort und Unabhängigkeit unterdem einen versteht er die Befugnis, sich alles zu kaufen, was znseiner bequemsten Behaglichkeit beitragen kann, unter dem andernAusdruck versteht er das Gefühl, daß er alles thnn kann, was erwill, und alles sagen kann, was er denkt diese beiden sind ihmdie Ursache, und da kümmert er sich wenig um die zufälligen undvielleicht chimärischen Auszeichnungen, die in der übrigen Welt soviel Plag' und Not hervorbringen. Sein Stolz und er hatStolz in hinlänglicher Fülle ist nicht der Stolz des Haman;wenig kümmert es ihn, ob Mardnchai, der Jude, lang und breitvor der Thüre seines Hauses sitzt, nur dafür sorgt er, daß besagterMardachai nicht ins Haus hineinkomme, ohne seine specielle Erlaubnis,die er ihm gewiß nur dann gewährt, wenn es zusammenstimmt mitseinem eigenen Vorteil und Komfort.

Sein Stolz ist ein englisches GewttchS; obschon er ziemlich vielprahlt, so ist seine Prahlerei doch nicht von der Art anderer