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6 (1898) Englische Fragmente Reisebilder : 2
Entstehung
Seite
94
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D4 Ncisebilder II.

Du weißt nicht! rief Gumpelino.

Zuin Beiveise, Herr Marchcsc, daß ich weiß, brauche ich nurden Namen Julia Maxficld zu nennen. Beruhigen Sie sich, Siewerden wieder geliebt — aber es kann Ihnen alles nichts helfen.Der Schwager Ihrer Geliebten läßt sie nicht aus den Augen, undbewacht sie Tag und Nacht wie ein Diamant.

O, ich Unglücklicher! jammerte Gumpelino — ich liebe und binwieder geliebt, wir drücken uns heimlich die Hände, wir treten unsunterm Tisch ans die Füße, winken uns mit den Augen, und wirhaben keine Gelegenheit! Wie oft stehe ich im Mondschein ans deinBalkon, und bilde mir ein, ich selbst wäre die Julia, und meinRomeo oder mein Gumpelino habe mir ein Rendezvous gegeben,und ich deklamiere, ganz wie die Crelinger:

Komm, Nacht! Komm, Gumpelino, Tag in Nacht!

Denn du wirst ruhn ans Fittichen der Nacht,

Wie frischer Schnee ans eines Raben Rücken.

Komm, milde, liebevolle Nacht! Komm, giebMir meinen Romeo oder Gumpelino —

Aber ach! Lord Maxfield bewacht uns beständig, und wir sterbenbeide vor Sehnsnchtsgefühl! Ich werde den Tag nicht erleben, daßeine solche Nacht kommt, wo jedes reiner Jugend Blüte zum Pfändesetzt, gewinnend zu verlieren! Ach! so eine Nacht wäre mir lieber,als wenn ich das große Los in der Hamburger Lotterie gewönne.

Welche Schwärmerei! — rief Hyacinth — daS große Lo«Ivoooo Mark!

Ja, lieber als das große LoS — fuhr Gumpelino fort — wär'mir so eine Nacht, und ach! sie hat mir schon oft eine solche Nachtversprochen, bei der ersten Gelegenheit, und ich Hab' mir schon gedacht,daß sie dann des Morgens deklamieren wird, ganz wie die Crelinger:Willst du schon gehn? Der Tag ist ja noch fern.

Es war die Nachtigall und nicht die Lerche,

Die eben jetzt dein banges Ohr durchdrang.

Sie singt des Nachts auf dem Granatbaum dort.

Glaub, Lieber, mir, es war die Nachtigall.

Das große Los für eine einzige Nacht! — wiederholte unter-dessen mehrmals Hyacinth, und konnte sich nicht zufrieden geben —Ich habe eine große Meinung, Herr Marchcsc, von Ihrer Bildung,aber daß sie es in der Schwärmerei so weit gebracht, hätte ich nichtgeglaubt. Die Liebe sollte einem lieber sein als das große Los!Wirklich, Herr Marchcsc, seit ich mit Ihnen Umgang habe als Be-dienter, habe ich mir schon viel Bildung angewöhnt; aber so vielweiß ich, nicht einmal ein Achtclchen vom großen Los gäbe ich fürdie Liebe! Gott soll mich davor bewahren! Wenn ich auch rechne