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ich meine den reinen Mvsaik-GotteSdienst mit orthographischen deutschenGesängen und gerührten Predigten und einigen Schwärmcreichen, dieeine Religion durchaus nötig hat. So wahr mir Gott alles Gutsgebe, für mich verlange ich jetzt keine bessere Religion, und sie ver-dient, daß man sie unterstützt. Ich will das Meinige thun, und binich wieder in Hamburg, so will ich alle Sonnabend, wenn keinZiehungstag ist, in den neuen Religion-Tempel gehen. Es giebtleider Menschen, die diesem neuen israelitischen Gottesdienst einenschlechten Namen machen und behaupten, er gebe, mit Respekt zu
sagen, Gelegenheit zu einem Schisma aber ich kann Ihnen
versichern, es ist eine gute reinliche Religion, noch etwas zu gut fürden gemeinen Mann, für den die altjüdische Religion vielleicht nochimmer sehr nützlich ist. Der gemeine Mann muß eine Dummheithaben, worin er sich glücklich fühlt, und er fühlt sich glücklich inseiner Dummheit. So ein alter Jude mit einem langen Bart undzerrissenem Rock, und der kein orthographisch Wort sprechen kannund sogar ein bißchen grindig ist, fühlt sich vielleicht innerlich glück-licher als ich mich mit all meiner Bildung. Da wohnt in Hamburgim Bäckerbreitengang auf einem Saal ein Mann, der heißt MosesLump, man nennt ihn auch Moses Lümpchen, oder kurzweg Lümpchen;der läuft die ganze Woche herum in Wind und Wetter, mit seinemPacken ans dem Rücken, um seine paar Mark zu verdienen; wenner nun Freitag abendS nach Hause kommt, findet er die Lampe mitsieben Lichtern angezündet, den Tisch weiß gedeckt, und er legt seinenPacken und seine Sorgen von sich, und setzt sich zu Tisch mit seinerschiefen Frau und noch schieferen Tochter, ißt mit ihnen Fische, diegekocht sind in angenehm weißer Knoblauchsauce, singt dabei dieprächtigsten Lieder vom König David, freut sich von ganzem Herzenüber den Auszug der Kinder Israel ans Ägypten, freut sich auch,daß alle Vösewichter, die ihnen Böses gethan, am Ende gestorbensind, daß König Pharao, Nebnkadnczar, Haman, Antiochus, Titusund all solche Leute tot sind, daß Lümpchen aber noch lebt und mitFrau und Kind Fisch ißt — Und ich sage Ihnen, Herr Doktor, dieFische sind delikat, und der Mann ist glücklich, er braucht sich mitkeiner Bildung abzuquälen, er sitzt vergnügt in seiner Religion undseinem grünen Schlafrock wie Diogenes in seiner Tonne, er betrachtetvergnügt seine Lichter, die er nicht einmal selbst putzt — Und ichsage Ihnen, wenn die Lichter etwas matt brennen, und die Schabbcs-frau, die sie zu putzen hat, nicht bei der Hand ist, und Rothschildder Große käme jetzt herein mit all seinen Maklern, Diskonteuren,Spediteuren und Chefs de Comptoir, womit er die Welt erobert,und er spräche: Moses Lump, bitte dir eine Gnade aus; was duhaben willst, es soll geschehen — Herr Doktor, ich bin überzeugt,Moses Lump würde ruhig antworten: „Putz' mir die Lichter!" und