168 Shakespeares Madchen und Frauen.
Sie ist feige und dennoch getrieben von eigener Zerstörungslnst, DieLiebe ist immer eine Art Wahnsinn, mehr oder minder schön; aberbei dieser ägyptischen Königin steigert sie sich zur greulichsten Toll-heit , . . Diese Liebe ist ein rasender Komet, der mit seinemFlammenschweif in den unerhörtesten Kreisläufen am Himmel dahin-stürmt, alle Sterne an seinem Wege erschreckt, wo nicht garbeschädigt, nnd endlich, kläglich zusammenkrachend, wie eine Raketein tausend Funken zerstiebt.
Ja, du glichest einem furchtbaren Kometen, schöne Kleopatra,nnd du glühtest nicht bloß zu deinem eigenen Verderben, sondern dubedeutetest auch Unglück für deine Zeitgenossen . . . Mit Antoniusnimmt auch das alte heroische Römertnm ein jämmerliches Ende.
Woniit soll ich aber euch vergleichen, Julia nnd Miranda? Ichschaue wieder nach dem Himmel nnd suche dort euer Ebenbild. Esbefindet sich vielleicht hinter den Sternen, wo mein Blick nicht hin-bringt. Vielleicht, wenn die glühende Sonne auch die Milde desMondes besäße, ich könnte dich mit ihr vergleichen, Julia! Wäreder milde Mond zugleich begabt mit der Glut der Sonne, ich würdedich damit vergleichen, Miranda!
Druck von Hcssc 6 Becker in Leipzig.