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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
113
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Tragödien. 113

ganz vortrefflich dargestellt von der ehemaligen Madame Stich. Min-der brillant war die gnte Maria Luise, welche zur Zeit der Invasionans dem französischen Hoftheater die Königin Kvnstanze spielte. In-dessen klaglich über alle Maßen zeigte sich in dieser Rolle eine gewisseMadame Karoline, welche sich vor einigen Jahren in der Provinz,besonders in der Vendse, herumtrieb; es fehlte ihr nicht an Talentund Passion, aber sie hatte einen zn dicken Bauch, was einer Schau-spielerin immer schadet, wenn sie heroische Königswitwen tragierensoll.

Lady Percy.

(König Heinrich IV.)

Ich träumte mir ihr Gesicht und überhaupt ihre Gestalt mindervollfleischig als sie hier konterfeit ist. Vielleicht aber kontrastieren diescharfen Züge und die schlanke Taille, die man in ihren Wortenwahrnimmt, und welche ihre geistige Physiognomie offenbaren, destointeressanter mit ihrer wohlgerundeten äußeren Bildung. Sie ist heiter,herzlich und gesund an Leib und Seele. Prinz Heinrich möchte unsgern diese liebliche Gestalt verleiden, und parodiert sie und ihren Percy:Ich bin noch nicht in Percys Stimmung, dem Heißsporn desNordens, der euch sechs bis sieben Dutzend Schotten zum Früh-stück umbringt, sich die Hände wäscht und zn seiner Frau sagt:Pfui über dies stille Leben! Ich muß zu thun haben."O, mein Herzens-Heinrich," sagt sie,wie viele hast du heuteumgebracht?"Gebt meinem Schecken zu saufen," und eineStunde darauf antwortet er:Ein Stücker vierzehn; Bagatell!Bagatell!"

Wie kurz, so entzückend ist die Scene, wo wir den wirklichen Haus-halt des Percy und seiner Frau sehen, wo diese den brausendenHelden mit den kecksten Liebesworten zngelt:

Komm, komm, du Papagei! antworte mirGeradezu auf das, was ich dich frage.

Ich breche dir den kleinen Finger, Heinrich,

Willst du mir nicht die ganze Wahrheit sagen.

Percy. Fort! Fort!

Du Tttndlerin! Lieben? Ich lieb' dich nicht,

Ich frage nicht nach dir. Ist dies 'ne WeltZum Puppenspielen und Mit-LiPpen-fechten?

Nein, jctzo muß es blut'ge Nasen geben,

Zerbrochne Kronen, die wir doch im HandelFür voll anbringen. Alle Welt, mein Pferd!

Was sagst du, Käthchen? wolltest du mir was?

Heine'z Werke. IV. Bd. L