Hilliam Hatcliff.
Tragödie in einem Akte.
(Januar 1822.)
Aus der Vorrede
zur dritten Auflage der „Neuen Gedichte".
Die entstandene Lücke benutze ich, um hier die kleine Tragödie„William Ratcliff" mitzuteilen, die Nor etwa nennnndzwanzig Jahrennntcr dem Titel: „Tragödien, nebst einem lyrischen Intermezzo"zn Berlin bei Diimmlcr herauskam. Das „Lyrische Intermezzo"wurde seitdem in einer größeren Sammlung meiner Gedichte auf-genommen und gelangte zur außerordentlichsten Popularität. Der„William Ratcliff" wurde jedoch nur wenig bekannt; in der That,der Name seines Verlegers war Diimmler. Dieser Tragödie oder dra-matisierten Ballade gewähre ich mit gutem Fug jetzt einen Platz inder Sammlung meiner Gedichte, weil sie als eine bedeutsame Urkundezu den Prozeßakten meines Dichterlebens gehört. Sie resümiert nämlichmeine poetische Sturm- und Drangperiode, die sich in den „JungenLeiden" des „Buchs der Lieder" sehr unvollständig und dunkel kundgiebt. Der junge Autor, der hier mit schwerer, unbeholfener Zungenur träumerische Naturlaute lallet, spricht dort, im „Ratcliff", einewache, mündige Sprache und sagt unverhohlen sein letztes Wort. DiesesWort wurde seitdem ein Losungswort, bei dessen Ruf die fahlen Gesichterdes Elends wie Purpur aufflammen und die rotbäckigen Söhne desGlücks zu Kalk erbleichen. Am Herde des ehrlichen Tom im „Ratcliff"brodelt schon die große Suppenfrage, worin jetzt tausend verdorbeneKöche herumlöffeln, und die täglich schäumender uberkocht. Ein wunder-liches Sonntagskind ist der Poet; er sieht die Eichenwälder, welchenoch in der Eichel schlummern, und er hält Zwiesprache mit denGeschlechtern, die noch nicht geboren sind. Sie wispern ihm ihreGeheimnisse, und er plaudert sie aus auf öffentlichen, Markt. Aberseine Stimme verhallt im lauten Getöse der Tagesleidenschaftcn:wenige hören ihn, keiner versteht ihn. Friedrich Schlegel nannte den
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