82 Tragödien.
Und in den Himmeln klingt es schallend wieder.Du sprachst es aus, und Wolken wölben sichDort oben hoch, wie eines Domes Kuppel,
Die Ulmen rauschen auf wie Orgeltönc,
Die Böglein zwitschern fromme Andachtliedcr,
Der Boden dampft von wallend süßem Weihrauch,Der Blnmcnrasen hebt sich als Altar, —
Nur eine Kirch' der Liebe ist die Erde.
Zuleima. Die Erde ist ein großes Golgatha,
Wo zwar die Liebe siegt, doch auch verblutet.
Almnnsor. O, flechte nicht zum Tvtcnkranz die Myrte,Und hüll' die Liebe nicht in Trauerflore.
Der Liebe Priestcrin bist du, Zuleima,
Die Liebe wohnt in deines Busens Zelle,
Aus deiner Auglein klaren Fenstern schaut sie,
Ihr Odem weht aus deinem süßen Munde —
Auf euch, ihr sammctweichcn Pnrpnrkissen,
Auf euch, ihr holden Lippen, thront die Liebe,
Auf euch mächt' sich Almansors Seele betten, —Ei, Horst du nicht Fatimas leiste Worte:
„Bring diesen Kuß Zuleimcn, meiner Tochter!" —
(Sic sehen sich lange wehmütig an. Sic küssen sich feierlich.)
Zuleima. Fatimas Totcnknß Hab ich empfangen,
Nimm hin dagegen Christi Lebcnsknß!
Almnnsor. Es war der Liebe Odem, den ich trankAns einem Becher mit Nnbinenrande;
Es war ein Fenerborn, woraus ich trankEin Öl, das heiß durch meine Adern rinnet,
Und mir das Herz erquicket und verbrennt. (Umschlingt siIch lass' nicht ab von dir, von dir, Zuleima!lind ständen offen Allahs goldnc Hallen,
Und Houris winkten mir mit schwarzen Augen,
Ich ließ' nicht ab von dir, ich blieb' bei dir,
Umschlänge fester deinen süßen Leib. —
Dein Himmel nur, Zuleimas Himmel nurSei auch Almansors Himmel, und dein GottSei auch Almansors Gott, ZulcimaS KreuzSei auch Almansors Hort, dein Christus seiAlmansors Heiland auch, und beten will ichIn jener Kirche, wo Zuleima betet.
Beseligt schwimm' ich wie in Liebeswellen,
Von weichen Harfenlauten süß nmklnngen; —Die Bäume tanzen wunderlichen Reigen; —Und Englein schütten neckend Sonnenstrahlen