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4 (1898) Shakespeares Mädchen und Frauen Tragödien
Entstehung
Seite
27
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Almansor. 27

Aus deines Marmorschlosses güldnen Kammern,

Und schwing dich auf Almausors edles Roß.

Im Lande, Ivo des Palmbaums Schatten kühlen,

Wo süßer Weihrauch quillt aus heil'gem Boden,

Und Hirten singend ihre Lämmer weiden:

Dort steht ein Zelt von blendend weißer Leinwand,

Und die Gazelle mit den klugen Augen,llnd die Kamele mit den langen Hälsen,

Und schwarze Mädchen mit den BlumenkränzenStehn an des Zeltes buntgeschmücktem Eingang,

Und harren ihrer Herrin — o Zuleima,

Dorthin, dorthin entfliehe mit Almansor!"

Garten vor Ulys Schloß, blühend und von der Morgensonne beleuchtet.

Zuleimci liegt betend vor einem Christusbilde. Sie steht langsam auf.Ztllt'img. Und doch liegt noch die Sorg' auf dieser Brust!

Mein Herze zittert noch. Ist es vor Freude,

Daß er noch lebt, den ich als tot beweint?

Nein, nicht vor Freude, die verträgt sich nichtMit meinem heil'gen Eid, mit dem Versprechen,

Das ich dem frommen Abt des Klosters gab.

Almansor ist zurückgekommen! WennMein Vater das erfährt — wird nicht sein ZornDen Sohn des Todfeinds treffen? Noch erlosch nichtSeilt Groll, noch liegen lauernd in der Brust ihmViel schlimme Geister, die mit Wut entsteigen,

Wenn nur sein Ohr Abdullahs Namen hört.

Was hat Abdullah ihm gethan? Mein BaterIst sonst so mild! Ich Hab' ihn oft behorcht;

Des Nachts durchwandclt er des Schlosses GängeMit bloßem Schwert und ruft: „Abdullah, komm,

Wir wollen fechten, Blut will Blut" — Almansor!

Dich darf er nimmer schau», entflieh! entflieh!

Der Väter Feindschaft bringt den Kindern Tod.

Mit meinem Schleier will ich dich umhüllen,

Daß meines Baters Blick dich nimmer treffe.

Ich seh' dich in Gefahr und es erwachenAll die Gefühle, die mich einst bewegten,

Als wir noch Braut und Bränt'gam kindisch spielten,

Als du den morichen Apfelbaum erklettert,

Als ich dich weinend und mit bangen BittenHeruntcrlockte von der schlimmen Höh'. (Sinnend.)