Von der Einsetzung des Osterlamms w. 197
Lehre der Heilige Geist gebracht hat. Denn dieses ist die letztePredigt in der Welt und wird genennet eine Predigt, die da ge-schiehst auf den Abend, Matth. 20, 8., das ist am Ende der Welt.
Zum zehnten: und sollt seines Blutes nehmen, und beydePfosten an der Thüre und die oberste Schwelle damit bestreichenan den Hausern, darinnen sie es essen. Solches kann man aufdas Predigtamt ziehen. Denn Aussprengen oder Bestreichen ge-schieht mit dem Munde oder mit der Zunge. Andere ziehen esauf menschliche Gedancken, auf das Gedachtniß und Verstand,oder auf die Vernunft; aber Gott redet von den Sachen, so indie Gemeinde hinein gehören. Denn in der gantzen Christenheit,in der Versammlung, sollen sie essen das Osterlamm, die da nichthat meine oder deine Gedancken, sondern etwas anders. Dero-halben, so thue nach St. Petri Lehre, der da 1. Epist. 1, 19.auch saget: Wir sind besprenget mit dem Blute Christi, 1. Joh.1, 7., Ap. Gesch. 1, 5. Denn wenn wir durch den HeiligenGeist erleuchtet sind, so soll man allenthalben von dem Oster-lamme predigen, auf daß man in der gantzen Welt wisse, wiedas Lammlein für uns gestorben sey und sein Blut für uns ver-gossen habe. Wenn ich also predige von Christo, daß er für unssein Blut vergossen hat, denn so bestreiche und besprenge ich dieoberste Schwelle. Wenn ich predige, daß er mich gegen Gottversöhnet habe, daß, wo ich mich hinkehre, da sehe ich das Blutallenthalben in dem Ausgange und sonderlich an der Thüre, daman aus- und eingehet; denn darum ist die Thüre vom Zim-mermanne gemacht.
Die Thür Heisset in der heiligen Schrift der Wandel undLeben eines Menschen, so er führet. Darum so wird in den Ge-schichten der Apostel am ersten Capitel v. 3. gesaget von St. Luca,daß der Herr Christus unter ihnen sey aus- und eingegangen,das ist, seinen Wandel und Wesen unter ihnen gehabt. Wiesonst auch in dem Psalm 121, 8. gesaget wird: Gott habe seinenEingang und Ausgang bey uns; gleichwie es sich sonst in diesemLeben zutraget. So soll nun das Leben also gefasset seyn, daßdurch die Predigt das Blut soll über sich gesprenget und die Ueber-schwellen damit bestrichen werden; nemlich, wenn ich von mei-nem Wesen und Leben rede, wie es vor Gott gilt, daß mir danichts anders helfe, denn das Blut Christi.
Das ist denn ein recht Bestreichen, und da ist denn dasBlut Christi zwischen Gott und mir. Was ich denn thue, dasgefallet Gott; denn das Blut handelt zwischen mir und Gott.