Von der Einsetzung des Osterlamms n. 187
vielen Worten hat Gott mit Mose geredet, aber es ist ein an-derer Herr vorhanden gewesen, denn Moses, welchen allein dieJüden auf sich ziehen, aber diesen Lehrer, Abrahä verheissen,sollen wir Heyden auch auf uns ziehen, Joh. 10, 16. 17. Denner prediget Segen und nicht das Gesetz; denn er sollte das Gesetz,Tod, Teufel und alles hinwegnehmen. Dieser ist den Christengegeben.
Wir haben in Mose viel Prophezeihungen von Christo, diewir daraus ziehen und nehmen sollen, auf daß wir unfern Glau-ben darauf wissen zu gründen. Der Lehrer Moses giebt Zeugnißvon Christo, und er ist darum von Gott geschickt und soll auchum dieser Ursache willen fleissi'g gelesen werden. Darnach sindin Mosis Büchern feine Exempel, wie Gott durch das Wortund im Glauben sein Volck geführet habe, und noch uns auchalso regieren und führen wolle. Da ist denn Moses ein nützli-cher guter Lehrer.
Aber wenn einer Mosen anzeucht und spricht: Er gebeutdie Beschneidung, darum so mußt du dich beschneiden lassen, soantworte du: O Hans Grobianus bist du, Moses ist meinMagister und Lehrer nicht, er wird mich durch das Gesetz nichtlehren selig zu werden; ich habe viel einen bessern Lehrer, nem-lich den Herrn Christum, der da Matth. 11, 29. spricht: „Nimmvon mir Gnade und Varmhertzigkeit."
Moses saget, als ein Gesetzprediger: Thue dies, thue jenes.Denn das ist des Gesetzes Predigt, die soll nun ein Ende haben,und wenn man uns Mosen mit seinem Gesetze wollte auf denHals hangen, so sollen wir dem Mosi billig feind werden. Dar-um so nehmen wir Mosen als einen Gesetzgeber an, sonst haltenwir uns an unfern lieben Herrn Christum Jesum. Moses istaus, er hat mit seinem Amte genug gethan.
Darnach, so kann ich des Mösls Amt darzu gebrauchen,daß er schöne, herrliche Exempel und Legenden von den geliebtenHeiligen Gottes geschrieben hat, wie sie Gottes Wort haben ge-höret, Glauben und Liebe und alle Tugend gehabt und geübet.Aber das ist noch viel tröstlicher und lieblicher, daß er schöneSprüche von dem Herrn Christo setzet, wie er unser Heiland sey.
Das sind zwo Ursachen, warum man Mosen fleissi'g lesensoll; als daß man erstlich drinnen findet gar herrliche Exempelder Altvater und Patriarchen, die da Gottes Wort gehabt, auchihren Glauben und Liebe haben leuchten und sehen lassen. Item,man flehet auch, wie Gott habe die Bösen und Gottlosen gestraft,