Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
50
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Zy Gründung der weltlichen Obrigkeit.

sondern auch dem Schwerdt des Menschen. Darum saget manrecht, wenn er getödtet sey, ob er wol durch das Schwerdt ge-tödtet wird. Denn wenn es ohne dieses Gebot Gottes wäre,so würde es eben so wenig recht seyn, einen Mörder zu erwür-gen, als wenig es sich vor der Sündfluth gebühret hat.

Darum ist das der Ursprung, daraus alle weltliche Rechteherfliessen. Denn so Gott dem Menschen die Gewalt giebetüber das Leben und Tod, so giebet er ihm ja traun auch die Ge-walt über das, so weniger ist, als da seyn Güter, Haus undHof, Weib, Kinder und Gesinde, Aecker u. s. w. Dieses alleswill Gott, daß es unter etlicher Leute Gewalt sey, daß die Uebel-thater gestrafet werden.

Denn hier soll man zwischen Gottes und der Menschen Ge-walt diesen Unterscheid halten. Gott hat Macht und Gewalt,uns zu tödten, ob uns gleich die Welt nichts beschuldigen kann,sondern wir vor ihr unschuldig seyn. Denn die Sünde, so mituns geboren wird, machet uns vor Gott alle schuldig. Die Men-schen aber haben alsdenn erst Gewalt zu tödten, wenn wir vorder Welt schuldig seyn und die Uebelthat gewiß da ist. Darumseyn Gerichte geordnet und rechte gerichtliche Processe bestimmet,dadurch man sich der That eher erkunden und beweisen muß, eheman das Urtheil fallet über das Leben.

Darum soll man diesen Text fleissig mercken, darinnen Gottdie Obrigkeit eingesetzet und geordnet; nicht allein darum, daß sieüber das Leben richten soll, sondern auch über geringere Dinge,denn das Leben ist, als, daß die Obrigkeit strafen soll den Un-gehorsam der Kinder, Diebstahl, Ehebruch, falsch schwören undin Summa alle Sünden, so in der andern Tafel verboten seyn.Denn wer das Gericht über das Leben zulasset, der lasset auchzu das Gericht über andere Dinge, so geringer und unter demLeben seyn.

Darum ist das ein herrlicher Text und Werth, daß man ihnwohl mercke, daß Gott die Obrigkeit geordnet und ihr das Schwerdtin die Hand gegeben hat, daß sie dem Muthwillen wehren soll,auf daß nicht Grausamkeit und andere Sünden zu sehr überhandnehmen. Und wenn Gott diese göttliche Gewalt dem Menschennicht gegeben und befohlen hatte, Lieber, was wollten wir fürein Leben führen? Weil derohalben Gott gesehen hat, daß zuallen Zeiten viel Unglückes und Unlust in der Welt seyn würde,so hat er dieses äußerliche Mittel geordnet, das die Welt bishernoch nicht gehabt hatte, auf daß sich die Bosheit nicht über alle