44 Von den Sünden der ersten Welt überhaupt,
rung warten. Da es nun zu Noäh Zeit auf diesen Grad gekom-men ist, da wird ein endliches Urtheil und Sententz gesprochen,welche der Herr droben angezeiget hat, da er gesaget, sein Geistsolle nicht weiter Richter seyn, und es reue ihn, daß er denMenschen gemacht habe.
Diesen Zorn aber kann die Vernunft nicht glauben, nochvollkömmlich verstehen. Denn siehe, wie dieser Text dem, dasdroben gesagt ist, gar nicht gleich ist. Droben, Mos. 1, ZI.haben wir gehöret, daß Gott gesehen habe alles, was er gemachthatte, und es wäre sehr gut gewesen; hat auch dem Menschenund den Thieren den Segen gegeben, daß sie sich mehren sollten;hat dem Menschen unterworfen die Erde, und alle Güter dersel-ben: und welches das gröste ist, hat er ihm auch gethan eineVerheissnng vom Saamen des Weibes, und ewigem Leben: hatalso nicht allein das Hausregiment und Policey bestellet, sonderneine Kirche angerichtet. Wie kömmt es denn, daß die erste Welt,so durch das Wort, wie Petrus 2 Epist. 3, 5. 6. saget, gegrün-det war, also durch das Wasser verderbet wird.
Darum ist es kein Zweifel, es werden die Kinder der Men-schen dem Noah, da er von dem künftigen und allgemeinen Ver-derbniß geprediget hat, solches alles vorgeworfen, und öffentlichLügen'gestrafet haben, nemlich, daß das Haus-Regiment, Po-licen und Kirche von Gott bestellet waren; derohalben Gott nichtseine Ordnung und Satzungen so ganz und gar umkehren, auf-heben und verderben würde; so wäre der Mensch geschaffen sichzu mehren und Kinder zu zeugen, und auf der Erde zu herrschen;darum würde er nicht durch das Wasser verderbet werden.
Wie die Papisten und mit diesem einigen Argument drin-gen, Ehristus werde bei seiner Kirche seyn bis zum Ende derWelt, Matth. 28, 20. und werden sie der Höllen Pforten nichtüberwältigen, Eap. 16. 18. Solches rühmen und treiben sievon sich mit vollem Munde, und meynen, es sey unmöglich, daßsie untergehen sollten. Das Schifflein Petri, sagen sie, kann woldurch Ungestümigkeit ein wenig Roth leiden und wancken; es kannaber nicht versencket und untergedrücket werden von den Wellen.
Eine solche Sicherheit und Trotz ist eben auch gewesen vorder Sündfluth; und wir sehen dennoch, daß die ganze Welt ver-derbet worden ist. Sie rühmeten wol, Gottes Ordnungen warenewig, und hatte Gott das, so er einmal geschaffen, nie wiederaufgehaben oder ganzlich geändert. Siehe aber, wie es hinaus