42 Bon den Sünden der ersten Welt überhaupt,
daß ich so grosse Ursach mich zu fürchten außer mir nicht habe,als in mir. Denn die Gaben, die wir in uns haben, reihenund treiben unsere Natur zur Hoffart.
Wie es aber Gott, als der von Natur der gütigste ist, nichtlassen kann, er muß uns mit mancherlei) Gaben zieren und über-schütten, als da sey, frischer und gesunder Leib, Geld und Gut,Weisheit, Geschicklichkeit, Erkenntniß der Schrift ?c., also könnenwir es auch nicht lassen, wir müssen uns solcher Gaben erheben,und damit stoltzieren. Darum würde unser Leben das allerelen-beste Ding seyn, wenn wir der Gaben Gottes darben müssen:noch ist es zweymal ein elenderes Ding, wenn wir sie haben;denn wir werden dadurch zweymal arger. Eine solche Unart undBosheit ist die Erbsünde, die doch alle Menschen, ausgenommendie Glaubigen, nicht wissen noch verstehen, oder ja, wie einschlechtes und geringes Ding, verachten.
Wir sehen aber solche Bosheit nicht allein an uns selbst,sondern auch an andern. Denn wie stolz und übermüthig machtwol Geld und Gut, das doch unter den andern Gaben das Ge-ringste ist? Darum halten die Reichen, es seyn Edelleute, Bür-ger oder Bauern, die andern Leute alle für Mücken und Fliegen.Aber viel grösserer Mißbrauch geschiehst mit andern höhern Ga-ben, als mit Weisheit und Gerechtigkeit. Weil es derohalbenalles Gaben seyn, die Gott unter uns Menschen austheilet, sogeschiehst damit beydes, nemlich, daß Gott solchen Uebermuthnicht leiden kann, und wird ihn nicht lassen können.
Dieses ist gewesen die Sünde der ersten Welt. Unter CainsNachkommen seyn die besten und klügsten Leute gewesen: vorGott aber seyn es die ärgsten gewesen; denn sie überHuben sichihrer Gaben, und verachteten Gott, von dem sie doch solche Ga-ben hatten. Solche Unart verstehet und richtet die Welt nicht,sondern Gott richtet sie allein.
Und wo diese geistlichen Laster standhaftig seyn und imSchwang gehen, da ist man darnach bald gerathen auch in diefleischlichen. Denn der Anfang der Sünde ist, von Gott abfal-len, wie Jesus Sir. Cap. 10, 14. saget. Also ist des Teufelserster Fall, aus dem Himmel in die Hölle, das ist, aus der er-sten Tafel m die andere. Denn wenn die Leute beginnen gottloszu werden, das ist, fürchten Gott nicht, und glauben ihm nicht,sondern verachten ihn, sein Wort, und seine Diener, so kömmtes mit ihnen dahin, daß sie von der rechten Lehre gerathen in ketze-rischen Wahn und Gedancken, lehren, vertheidigen und schmücken