Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
40
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40 Bon den Sünden der ersten Welt überhaupt,

herrlichsten Ereaturen, der Engel, nicht verschonet, auch nichtder Könige in seinem Volk, noch der Erstgebornen zu allen Zei-ten; sondern, je mehr und höher die Menschen mit Gaben seyngezieret gewesen, je harter und ernster er sie gestrafet hat, da siebegunt haben ihrer Gaben zu mißbrauchen.

So spricht der heilige Geist im andern Psalm v. 9. vonden Königen: Du sollt sie mit einem eisernen Scepter zuschla-gen, wie Töpfe sollt du sie zerschmeissen. Ist aber nicht der, sodie Könige geordnet hat, und will, daß sie jedermann ehren undihnen gehorsam seyn soll, der Herr selbst? Also verdammet undverwirfet er der Klugen Weisheit, und der Gerechten Gerechtig-keit. Denn das ist Gottes eigentliches und stetes Werck, daß erverdammet, was am herrlichsten ist; darnieder schlaget, was amgewaltigsten ist; und was am stärksten ist, schwach machet, so esdoch seine Ereaturen seyn: er thut aber das darum, auf daß dieWelt viele und schreckliche Exempel habe seines Zorns, die Gott-losen damit zu schrecken, und uns zu erwecken, daß wir lernenan uns. selbst verzagen, und auf seine Gnad allein trauen. Dar-um muß man entweder unter dem Schatten der Flügel Gottes,und dem Vertrauen auf seine Gnade und Barmherzigkeit leben,oder verderben.

Nun hat es aber nach dem Fall mit den Menschen einesolche Gestalt gewonnen, daß, je mehr einer mit Gaben gezieretist, je mehr er sich derselben überhebet. Dis ist der Enge! Sündegewesen, die gefallen seyn: dis ist der ersten Welt Sünde ge-wesen, darinnen der beste und herrlichste Theil, und ein Ausbundvon Menschen gelebet hat. Weil sie sich aber ihrer Weisheit undanderer Gaben übernommen haben, seyn sie umgekommen. Disist die Sünde gewesen der allerhöchsten Könige: dis ist die Sündegewesen fast aller Erstgebornen. Und, was darf es viel Worte!das ist die Erbsünde, daß wir die grossen und tresslichen GabenGottes nicht erkennen, noch derselben recht gebrauchen können.

Es ist aber nütze, daß man solche Exempel fleißig merke,die Hoffartigen damit zu schrecken, und uns zu demüthigen, daßwir lernen, wie wir unser Leben und alle das Unsere, von Got-tes Winck und Willen dependiren, der den Demüthigen Gnadegeben will, die Hoffartigen aber verderben, 1 Pet. 5. Z. Weilaber die Welt das nicht verstehet, noch thut, so fallen ohne Un-terlaß dahin Könige, Gewaltige, Gerechte, einer nach dem an-dern, kömmt dahin, daß die Welt voll wird der Exempel desZorns und Gerichtes Gottes. Wie die Jungfrau Maria auch