Druckschrift 
2 (1827)
Entstehung
Seite
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Vom Ebenbitde Gottes. 6

chen Plagen und Gebrechen seyn des Teufels Bild, das er unsangehänget und aufgedrücket hat. Vor dem Fall aber hat Adamin höchster Lust und Sicherheit gelebet, hat weder Feuer nochWasser, noch ander Unglück, damit biß Leben angefochten wird,gefürchtet, dafür wir nns alzu sehr fürchten.

Nun mag die Erbsünde klein und geringe machen, wer dawill, so scheinet es wahrlich an den Sünden und an den Stra-fen, daß es die größte und schwereste Sünde ist. Siehe alleinedie Unzucht und Wohllust an, ist sie nicht sehr groß und schreck-lich, beyde mit Gelüsten und Eckeln? Was wollen wir abersagen von dem Haß und Feindschaft gegen Gott und Gottesläste-rungen? Denn das sevn die rechten groben Sünden, die dawahrhaftig anzeigen, daß das Bild in uns verloren ist.

Darum, wenn wir von diesem Bilde reden, so reden wirvon einem unbekannten Dinge, welches wir nicht allein nie ver-suchet; noch erfahren haben, sondern wir erfahren auch ohne Un-terlaß das Widerspiel und hören nichts davon, denn bloße Worte.Denn in Adam ist die Vernunft erleuchtet gewesen mit wahrerErkenntniß Gottes, darzu ein richtiger und gehorsamer Wille,Gott und Nächsten zu lieben, wie er Hevam geliebet und so balderkannt hat als sein Fleisch. Darzu seyn auch gekommen anderegeringere Gaben, die aber, wenn man sie mit unserer Schwach-heit vergleichet, auch sehr groß seyn, als, eine vollkommene Er-kenntniß der Natur aller Thiere, Kräuter, Früchte, Bäume undanderer Creaturen.

Meynest du nun, wenn man alles zusammen rechnet undbeyeinander setzet, ob es nicht einen solchen Mann geben sollte,in dem du einen Wiederglantz des Bildes Gottes sehen und spü-ren könntest? Ja freylich, sonderlich so du darzu thust die Ge-walt und Herrschaft über die Ereaturen, daß, gleichwie Adam undHeva den Herrn erkannt haben, so haben sie darnach über andereCreaturen in der Luft, im Wasser und auf der Erde regieret.Wer könnte nun eine solche Hoheit und Majestät mit Wortengenugsam ausdrucken? Denn ich gläube, daß Adam mit einemWort einem Löwen hat gebieten können, wie wir gebieten einemgewöhnten Hund. So ist es ihm auch frey gewesen, das Landzu bauen, auf daß es trüge, was er wollte.

Denn daß Dörner und Disteln dazumal noch nicht gewesenseyn, wird sich hernach erweisen; wie ich auch achte, daß so scheus-liche und schädliche Thiere, wie sie jetzund seyn, dazumal nichtgewesen seyn.