Druckschrift 
Friedrich Wilhelm der Dritte
Entstehung
Seite
238
Einzelbild herunterladen
 

„Kein Mensch kann durch und durch sein Amt wer-den, und weiter nichts; und ein Fürst und eine Fürstinsind immer auch noch etwas anderes, als Fürst undFürstin. Das Beste unter allem möglichen Andern, istdenn doch wohl, daß sie auch Mann und Weib, Vaterund Mutter, Hausherr und Hausfrau sind. Soll ihnendieses aber genügen, so müssen sie lieben und geliebtwerden, sie müssen ein häusliches und eheliches Lebenführen, und gar wohl einen feinen Sinn für das Schöne,Gute und Glückliche dieses Lebens haben.

„Der Mensch in uns geht wohl überall mit, undwirkt überall mit. Unter dem Feierkleide des Amtesschlagt dasselbe Herz, was im Hauskleide schlägt. ImWolkssenat und auf dem Throne sitzt doch niemand an-ders, als der Mensch, der vom Hause dahin gegangenist. — Wenn dieser Mensch nicht ohne Amt gut ist, somacht ihn wohl das Amt nicht dazu. — Der guteMensch hat die Bedürfnisse eines solchen, und man mußsie nicht, um eines hohen Postens willen, als niedrigund ungeziemend wegphilosophiren wollen. Es steht da-bei nichts Geringeres, als der gute Mensch auf demSpiele.

„Wenn es der guten Frau, der Kronprinzessin,nicht unangenehm scyn müßte, so wäre es für die Frauendes Landes, besonders die vornehmen, gar gut undheilsam, daß ein trefflicher Mahler, die sürstliche Mutterund Hausfrau in den edlen Beschäftigungen, Sccnenund Gruppen abbildete, wo sie beides mit Herz undSeele als Hauptperson darstellt.

„Der Anblick solcher Madonncnbildcr würde dietragen und blöden Gcmüther erwecken und begeistern,und manchem vornehmen vereheligten Wittwer seine