Druckschrift 
Friedrich Wilhelm der Dritte
Entstehung
Seite
194
Einzelbild herunterladen
 

in denen das demokratische Element immer das vorherr-schende ist und immer scyn wird. *)

Der König hat demnach das Verfassungswesen vonzwei Seiten zu gleicher Zeit eingeleitet. Zuerst von Untenauf durch die Gesetzgebung über die Gutsver-hältnisse und durch die Gemeineordnung, deren

») Wie groß der Einfluß dieses Elements war, zeigte dasältere Wahlgesetz von Frankreich, (das vom g. Febr. ig»?)welches, ungeachtet es das Wahlrecht an den Steuersatz vonzooFrankcn knüpfte, doch zulctztdas Wahlgeschäft ausschließendin die Hände der 83 Hauptstädte der Departements gebrachthätte, in denen die Wahlen gehalten wurden. — Durch dasneuere Wahlgesetz hat die Regierung dem aristokratischen Ele-mente der Gesellschaft, — das seinen Sitz ewig auf dem Landehaben wird, da das sichtbare Vermögen in Grund und Bo-den stets zu einer aristokratischen Abstufung führt, — wiedersein Recht gegönnt, das schon darauf gegründet ist, weilimmer drei Viertel von allen Familien eines Volks aufdem Lande wohnen. Durch das neue Wahlgesetz werden in258 Wahlarrondissements 258 Deputirte gewählt. Hicdurchist das Wahlgeschäft in kleinere Städte gekommen, gegenderen Ueberlegrnheit sich das flache Land leichter vertheidigenkann. — Außerdem wählen aber noch in jedem Departementein Viertel der Höchstbesteucrten, eine», zwei, drei odervier Deputirte. In allem ^72. Da die höchstbesteuertcnGrundbesitzer auf dem Lande wohnen, so kommen dieseWahlen zum großen Theile wieder in die Hände der Land-cigenthümcr. Wie das neue Wahlgesetz sich nun ausweise»wird, muß die Erfahrung lehren. — So viel ist klar, daßin einem Lande, wie Frankreich, welches das Unglückeiner Emigration empfindet, wo also gleichsam zwei ver-schiedene Völkerschaften vorhanden sind, es sehr schwer fürdie Regierung ist, ein solches Wahlgesetz hervorzurufen, mitdem sie wirklich in der Richtung der großen Interessen derNation regieren kann.