Druckschrift 
Friedrich Wilhelm der Dritte
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

Preußen war zwar kein Spanien, wo durch das De-kret der Cortcs, 225 Klöster, blos in der Hauptstadt, auf-gehoben wurden; aber die Masse Grundeigenthum, welchedurch das Gesetz vom 30. Octvbcr wieder in den bürger-lichen Verkehr kam, war doch bedeutend. Besondershatten die Domstifter viel Grundeigenthum im Lause derJahrhunderte gesammelt und ganze Dörfer an sich ge-bracht, die den Namen Stiftsdörfer führten. — DieDvmstiftcr waren schon langst ihrer ursprünglichen Be-stimmung ungetreu geworden, da sie sich in Sinekurenfür den landsässigcn Adel der Provinz verwandelt hatten,seit sie im 14. und 15. Jahrhundert die Ahncnprobe beisich eingeführt und nur solche Geistliche aufnahmen, diezum Schilde geboren waren.

Bei der Reformation wurden viele Domstifter pro-testantisch. — Gegen den Geist der evangelischen Lehrendauerten diese Sinekuren fort, deren Besitzer in der Haupt-stadt lebten, und die jahrlich nur einmal im Chor er-schienen, um ihre lateinischen Horas zu beten, und umdie Revenüen in Empfang zu nehmen, welche für dieverschiedenen Prabenden 1000 , 2000 und 3000 Rthlr.betrugen. — Das Jahr hindurch hielten sie sich ihre Vi-karien, denen sie 200 bis 250 Nthlr. gaben, und diedann jeden Morgen um 6 Uhr in den Chor gingen, umdie Horas herzusagen. — So war es im Dome in Bran-denburg. Allerdings eine sonderbare Einrichtung desevangelischen Gottesdienstes.

Man sieht in diesem Beispiel, was aus den Insti-tutionen wird, wenn sie sich überleben und in der Zeitals ein todtes Knochengerüste entflohener Verhaltnissestehen, und immer fort da stehen, da sie einmalvergessen haben, sich begraben zu lassen. —Endlich kommt dann der Geist der Zeit und bringt sie

2'^