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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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310 Heinrich Laubes Grabrede.

ein Vorpostentreffen begann und allein, ganz allein, allmählich die ganze Linieder Gegner auf sich zog und mit Hieb und Stoß und Schuß beschäftigte, undnicht nur beschäftigte, sondern bedrohte und, wie oft! vollständig aus dem Feldeschlug? Ja, die er in deutscher Sprache oft so bitterlich verspottete, indem er nurden Zopf derselben, den dicken und steifen und langen, ins Auge faßte, deutscheWissenschaft und Kunst und Sitte vertrat er, ein gefürchteter Gladiator, gegenjedes herausfordernde Lächeln der Franzosen, vertrat er wie eine Herzensangelegen-heit mit jenem blitzenden Geiste, welcher ihm nur eigen war, und in welchem ihmselbst jene begabten Franzosen die eigentümliche Ueberlegenheit einräumen mußten.Nie vielleicht ist deutsches Interesse so eigentümlich und so schmetternd verteidigtworden als von Heine in solchen Kämpfen- ich sage, so eigentümlich, denn dieFranzosen wissen heute noch nicht, welch eine nationale Form des Geistes ausdiesem Manne wetterte, den sie doch so gern für einen adoptierten Franzosen aus-gaben. Die tiefer Blickenden erkannten gar wohl, daß hier nicht bloß vonangeeignetem französischen Esprit die Rede sein könne, und daß es sich vielmehr umeine Verbindung von Eigenschaften handle, die nicht in ihrer, nicht in unserer Nationausschließlich zu finden sei, und Heine selbst ließ ihnen, wie höflich er auch sonstwar, er ließ ihnen bei solchen Gelegenheiten nicht den geringsten Zweifel übrig, daß erkein Franzose, sondern ein im letzten Grunde vollkommen deutsches Menschenkind sei.

Nur in Erinnerung solcher Szenen erwähne ich beiläufig, wie tief ihn dieFranzosen anzuerkennen, wie hoch sie ihn zu schätzen wußten; ich erwähne eskeineswegs, um uns dadurch zur Anerkennung zu spornen. Wir wissen ohneFranzosen, was wir an Heine haben und, ach, nun leider in Aussicht auf neueSchöpfungen verloren haben! Und die es verleugnen, weil sie der GewitterwolkeHagel und Platzregen nicht verzeihen mögen, und die es wirklich noch nicht wissen,sie werden zum Bekenntnis und zur Erkenntnis gezwungen werden durch die Ent-fernung, in welche Heine durch den Tod gerückt worden ist. Mitten in demWalde, zu dem er gehört, wird die Höhe des Baumes viel schwerer gewürdigt.Aber entfernt euch nur auf Stunden und Meilen Weges von dem Walde undseht dann zurück und erkennet mit Staunen, wie alle anderen Bäume in eineMasse zusammengeschrumpft sind und nur er allein deutlich erkennbar sich abzeichnetam Horizonte. Dann werdet ihr auch begreiflicher finden, daß die Wucht derStürme und jegliche Unbill der Witterung ihn ärger, wenigstens deutlicher beschädigenkonnten als die so viel niedrigeren Nachbarn.

Wenn man Litteraturgeschichte schreiben wird in Zukunft, bei welchem Namenhinter Goethe und Schiller wird man denn genötigt sein anzuhalten und aus-zurufen: Hier, ja hier kommt eine wirklich neue Originalität, ein neues und starkesGedicht, hier beginnt eine Epoche in deutscher Schrift! Bei welchem Namen sonst,