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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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280 Die Kleinen.

erregt hatte. Auch bei der Table dchote im „König von England", dessenorigineller Wirt I. W. Marr, der Vater des berühmten Schauspielers war,hatte Heine Gelegenheit, Paganini kennen zu lernen und ihn, wie seinen ständigenBegleiter, den Schriftsteller Georg Harrys aus Hannover, genau zu beobachten.Offenbar hatte Heine schon damals die Absicht, beide zum Gegenstand einerSchilderung zu machen. Doch forderte er zunächst August Lewald auf, überPaganini zu schreiben. Als dieser aber nicht Wort hielt, machte ihm Heine Vor-würfe darüber: er habe ihm den so wertvollen Stoff freundlichst überlassen wollen,und es sei unrecht, daß er ihn nun verschmähe. „Solcher Scherze" — fügtLewald hinzu — „war er stets voll. Sehr schnell ward er von einer Idee er-griffen und erfüllt, aber zur Ausführung kam es nie."

Indes sollte diese Idee doch zur Ausführung kommen, denn die Erinnerung anPaganinis Zauberspiel lebte noch lange in dem Dichter fort und gestaltete sich nochnach Jahren zu jenem wundervollen Capriccio in den „Florentinischen Nächten", daswohl als die unübertroffene Charakteristik des Paganinischen Violinspiels gelten darf.

Auf die Frage der Maria, die Heine in den „Florentinischen Nächten" in denVordergrund stellt: „Lieben Sie Paganini?" erzählt der Dichter zunächst von einemdie wahre Physiognomie allein wiedergebenden Porträt des Künstlers, das der taubeMaler I. P. Lyser „in seiner geistreichen Tollheit" entworfen, und bei dem ihmnach eigenem Geständnis „der Teufel die Hand geführt habe". Sodann schilderter die Erscheinung Paganinis selbst, und man muß sagen, daß die Schilderungauch dem gelungensten Porträt nur wenig nachgeben dürfte. War der fremdeGeiger am selben Mittag unter den grünen Bäumen des Hamburger Jungfern-stiegs dem Dichter schon „hinlänglich fabelhaft und abenteuerlich" erschienen, soüberraschte ihn doch noch des Abends im Konzert „seine schauerlich bizarre Erschei-nung", die er in folgenden Strichen schildert: „Das war Paganini in seinerschwarzen Galla: der schwarze Frack und die schwarze Weste von einem entsetz-lichen Zuschnitt, wie er vielleicht am Hofe Proserpinens von der höllischen Etikettevorgeschrieben ist; die schwarzen Hosen ängstlich schlotternd um die dünnen Beine.Die langen Arme schienen noch verlängert, indem er in der einen Hand dieVioline und in der andern den Bogen gesenkt hielt und damit fast die Erdeberührte, als er vor dem Publikum seine unerhörten Verbeugungen auskramte.In den übrigen Krümmungen seines Leibes lag eine schauerliche Hölzernheit undzugleich etwas Tierisches, daß uns bei diesen Verbeugungen eine sonderbare Lach-lust anwandeln mußte,- aber sein Gesicht, das durch die grelle Orchesterbeleuchtungnoch leichenartig weißer erschien, hatte alsdann so etwas Flehendes, so etwas blöd-sinnig Demütiges, daß ein grauenhaftes Mitleid unsere Lachlust niederdrückte. Hater diese Komplimente einem Automaten abgelernt oder einem Hunde? Ist dieser