268 Die Kleinen.
Unter den Wenigen, die Heine zu Grabe geleiteten, befand sich auch der Prophetdes „Isnls äs UiUlbcmi'K KaiiU-KmiM-s". Er rvar, alles in allem genommen, dochein guter Freund Heines, und man dürfte wohl auch auf ihn das Wort Goethesanwenden: „Es ist nicht genug, daß man sein Leben für einen Freund wagendarf, man muß auch im Notfall seine Ueberzeugung für ihn verleugnen können".
Alexander Weill war dem Dichter ein Freund in der Not, ein Freund nach demTod und auch, nach dem schönen Sinngedicht, ein Freund hinterm Rücken. Aufdiesen „drei starken Brücken" ist er dem Dichter in das andere Leben, das er sichin seiner ercentrischen Phantasie gar seltsam ausmalte, nachgefolgt. Heine hatteihn gern, er unterhielt sich oft und viel mit ihm und er schätzte seine reichen Kennt-nisse, namentlich in der hebräischen Litteratur. Die Donquichotterie seines Wesensaber und seiner religiösen Anschauungen hat er früher und besser erkannt alsjeder andere. Eine solche große Donquichotterie war, im Grunde genommen, auchdas Buch Weills über Heine. Ich weiß, daß er dies auch eingesehen und späterwieder gutmachen wollte. Aber er hatte nicht mehr das Material dazu, denn erhatte die Briefe Heines an ihn durch einen Wiener Journalisten dem ver-storbenen österreichischen Kronprinzen Rudolf verkaust, der sie seiner Mutter zumGeschenk gemacht hat.
Weill war besser als seine Bücher. Aber hier wie dort ist er bis zu seinemTode ein moderner Don Quirote geblieben, und wie sein ehrsamer Vetter aus derMancher rief er noch im Sterben: „Meine Religion ist die beste der Welt undich der unglücklichste Ritter aus Erden — doch es ziemt sich nicht, daß meineSchwäche diese Wahrheit verberge. Stoßt zu mit der Lanze, Ritter!" Aber dieserRitter war kein verkappter Barbier, sondern vielleicht sein alter Freund HeinrichHeine, der ihm, wie er selbst gesteht, sehr oft im Traume erschienen ist.
Sechsundzwanzigstes Kapitel. Die Kleinen.
^ 1 eberblicken wir die Reihe der Männer, deren Beziehungen zu Heine bisher-^^geschildert wurden, noch einmal im ganzen, so ist es, als eröffnete sichunserm Blick die Aussicht aus ein weites Schlachtfeld. „Um mich her liegen dieLeichen meiner Freunde, aber wir haben gesiegt", so lautet ja der Hymnus desDichters von „Schwert und Flamme". Aber unter diesen Freunden fehlen unsbei der Rundschau doch einige, die nicht so sehr ihrer eigenen Bedeutung wegen,als vielmehr um des Dichters willen, oder weil ihre Beziehungen zu ihm für seineLebensgeschichte entweder wichtig oder zum mindesten charakteristisch sind, nichthätten übergangen werden dürfen. Ich nenne sie die Kleinen- nicht etwa an sich,