Swedenborg. Alexander Weill. 261
die Donquichotterie seines Lebens. Nichtsdestoweniger schrieb er ein gutes Fran-zösisch, spielte er zu Zeiten eine gewisse Rolle in der französischen Litteratur undsogar in der Politik. Er war der Freund von Balzac, Victor Hugo, AlexanderDumas und anderer Notabilitäten und was uns hier am meisten interessiertauch der Freund Heinrich Heines.
Es verlohnt sich, über Alexander Weill etwas mehr zu sagen. Wenn ich nichtirre, hat ihm sogar Lombroso einen Platz in seinen: Buche: „Genie und Wahn-sinn" angewiesen. Aber ich will mich hier darauf beschränken, seine persönlichenBeziehungen zu Heinrich Heine, der ja doch der Interessantere ist, zu schildern.Es ist dies notwendig, da „der kleine Weill", so wurde er nämlich bis zu seinemTode genannt, darüber ein Buch geschrieben hat, das voll ist von - nun, ichwill gegen den Toten höflich sein und nur sagen: von Erdichtungen. Damit dieseaber nicht in die Litteraturgeschichte übergehen, erscheint es als ein Akt der Pflichtgegen den Dichter selbst, das Verhältnis zwischen beiden historisch festzustellen.
Im Herbst 1839 kam Alexander Weill, der ein geborener elsässischer Jude warund später die berühmte Talmudschule zu Frankfurt a. M. besuchte, um Rabbinerzu werden, der aber, nachdem er ein hübsches Ballettmädchen geküßt, diesen ehr-würdigen Beruf aufgegeben und sich als deutscher Schriftsteller versucht hatte,mit der Familie seines Verlegers Durand nach Paris. Er war 26 Jahre altund hatte 26 Francs in der Tasche, außerdem einen Empfehlungsbrief vonGustav Kühne an Heine.
Nun war aber Heine damals recht schlecht auf Kühne zu sprechen, der Heinespersönlichen Bedrängnisse „mit empörender Roheit" in seinem Blatte besprochenhatte. Die Aufnahme wäre keine allzu freundliche gewesen, wenn Weill sich nichtmit einem frivolen Scherzwort aus der hebräischen Poesie des Mittelalters in sehrgeschickter Weise eingeführt hätte. Als er den Brief gelesen hatte, sagte Heine:„Sie bedürfen keiner Empfehlung. Man hat Sie oft für mich gehalten, das willsagen, daß Sie verteufelt viel Geist besitzen müssen. Ich habe noch keine vonIhren Korrespondenzen gelesen". Das Eis war gebrochen. Als er Abschied nahm,sagte Heine: „Sie können zu mir jeden Tag und zu jeder Stunde kommen. Siekönnen bei mir frühstücken, wann Sie wollen? nur Geld dürfen Sie nicht vonmir verlangen". Im großen Ganzen hat sich Weill an dieses Programm gehalten,und wenn er doch Heine später manchmal anpumpte, so fand er trotzdem offeneTaschen bei ihm. Mathilde war damals 23 Jahre alt und bildschön. Heinelebte mit ihr in wilder, aber glücklicher Ehe. Die Schilderung, die Weill von ihrentworfen, ist indes doch etwas zu phantastisch. Er vergleicht sie mit der Statueder Phryne in der I.oaäswis äss bsswx aits in Madrid. Heine nannte sie damals„meine wilde Katze". Als er zum erstenmal Weills Urteil über Mathilde hören