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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
231
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Das Urteil über Guizot. 231

25. Februar 1840 sagte er über Guizot alles das voraus, was später die ganze Weltjahrelang wiederholte, indem erden puritanischen Zuschnitt, den lauernden Hoch-mut, den doktrinären Belehrungston, das eckig-kalvinistische Wesen" Guizots schildert,den er richtig alseine sacerdotale oder vielmehr klerikale Natur" bezeichnet,behaftet mit geistlichem Hochmut und aristokratischen Gelüsten, der dem Volke nichtangehört". In dem beständigen Kampfe zwischen Thiers und Guizot nimmt Heinenatürlich für ersteren lebhaft Partei, ohne indes Thiers' Fehler zu beschönigenoder Guizots Vorzüge herabzusetzen.Nein, Herr Guizot", sagt er einmal,wirsind noch nicht dahin gekommen, Sie zu lieben, aber wir haben auch noch nichtaufgehört, Sie zu verehren! Trotz aller unserer Liebhaberei für den beweglich-brillanten Nebenbuhler haben wir dem schweren, trüben Guizot nie unsere An-erkennung versagt,- es ist etwas Sicheres, Haltbares, Gründliches in diesem Manne,und ich glaube, die Interessen der Menschheit liegen ihm am Herzen". Als ThiersGuizot Platz machen mutz, schreibt Heine:Wir haben in diesen Blättern unsereVorliebe für Thiers immer freimütig ausgesprochen und unsere Abneigung gegenGuizot nie verhehlt,- nur den Privatcharakter Guizots haben wir unbedingtgewürdigt, und gern zollten wir dem Menschen unsere Achtung, während unsereRüge den Staatsmann blotzstellte. Werden wir gegen letzteren die höchste Un-parteilichkeit ausüben können? Wir wollen es ehrlich versuchen". Prüft manunbefangen, was Heine von nun ab über Guizot geschrieben, so entdeckt man nichtdas geringste, was auf eine mildere Tonart, auf eine freundlichere Beurteilungschlichen lassen könnte, so datz die Pension der französischen Regierung keinesfallsan Heine für das ausbezahlt wurde, was er schrieb; denn er nahm auch fortabkein Blatt vor den Mund und kritisierte nach wie vor mit Freimut und Ironiealle Thaten des Ministeriums Guizot, dessen Chef er jederzeit für einenManndes Widerstandes, aber nicht der Reaktion" gehalten hat. Von besonderemInteresse ist natürlich für uns, was Heine über Guizots Sympathien für Deutsch-land zu berichten weitz,dessen Anschauungsweise der unserigen verwandt ist undder die Bedürfnisse und das gute Recht des deutschen Volkes sehr gründlich begreift".Auch in der ersten und einzigen Unterredung, die Heine mit Guizot am 29. November1840 hatte, sprach diesermit Tiefsinn und Wärme seine Hochschätzung für Deutsch-land aus";und diese Anerkennung meines Vaterlandes", fügt Heine hinzu,so-wie auch die schmeichelhaften Worte, welche er mir über meine eigenen litterarischenErzeugnisse sagte, waren die einzige Münze, mit welcher er mich bestochen hat".Auch aus Heines letzten Lebensjahren besitzen wir nunmehr zwei Briefe an Guizot,die durchaus zu Gunsten des Dichters sprechen. Er überreichte mit diesen demfranzösischen Historiker, der damals keine offizielle Stellung mehr bekleidete, imMärz 1855 seine beiden Bücher:De " undDutöo«z". Das Gefühl