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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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226 Drei Historiker.

Blütezeit der parlamentarischen Periode, also in der Zeit, als Thiers (I.März 1840)Ministerpräsident und Minister des Auswärtigen wurde.

Mit Bewunderung sieht Heine an Thiers, wie er dem wachsenden Tumult derTagesleidenschaften immer die kluge Ruhe des Staatsmannes entgegensetzt. Dashindert Heine aber nicht, demselben Thiers mit bitterer Schärfe entgegenzutreten, alsdieser, der sich nicht bloß als Mann der Humanität, sondern sogar als Sohn der Revo-lution geltend zu inachen suchte, den bekannten Vorgängen gegen die wegen Gebrauchesvon Christenblut fälschlich angeklagten Juden in Damaskus gegenüber aus poli-tischen Gründen eine befremdliche Lauheit offenbarte. Selbst als Thiers die AscheNapoleons nach Frankreich brachte, sagte er von ihm:Sein Geist überragt alleIntelligenzen rings um ihn her, obgleich manche darunter sind, die von bedeutenderStatur. Keiner kann sich mit ihm messen, und in einem Kampfe mit ihm mutzdie Schlauheit selbst den Kürzeren ziehen. Er ist der grötzte Kopf Frankreichs,obgleich er, wie man behauptet, es selbst gesteht".

Ein andermal macht er eine Bemerkung über Thiers, die seinem prophetischenScharfblick wahrhaft zur Ehre gereicht. Sie hat sich nämlich volle dreitzig Jahrespäter, in der zweiten Hälfte des Französischen Krieges (1871), geradezu wörtlicherfüllt. Heine meldet als eine Thatsache, die er aus vieljähriger Beobachtungverbürgen kann:Herr Thiers glaubt steif und fest, datz nicht das parlamen-tarische Scharmützel, sondern der eigentliche Krieg, das klirrende Waffenspiel seineangeborene Vokation sei". Dieser eingebildete Feldherrnberus Thiers' hat bekannt-lich im Jahre 1871 für die Franzosen verhängnisvolle Folgen gehabt.

Gelegentlich verteidigt aber Heine Thiers auch gegen die schnöde Verleumdung,datz er an der Börse spekuliert habe:Ein Mensch kann nur einer einzigen Leiden-schaft gehorchen, und der Ehrgeizige denkt selten an Geld. Durch seine Familiaritätmit gesinnungslosen Glücksrittern hat sich Thiers all die boshaften Gerüchte, diean seinem Leumund nagen, zugezogen. Diese Leute, wenn er ihnen jetzt denRücken kehrt, schmähen ihn noch mehr als seine politischen Feinde. Aber warumbrauchte er den Umgang mit solchem Gesindel? Wer sich mit Hunden niederlegt,steht mit Flöhen auf".

Als Thiers am 20. Oktober 1840 seine Entlassung nimmt, gesteht Heine un-umwunden zu, datz er in seinen Berichten die Vorliebe für Thiers immer frei-mütig ausgesprochen und seine Abneigung gegen Guizot nie verhehlt habe.

Diese Vorliebe für Thiers veranlatzt ihn immer wieder aufs neue, auf denMann zurückzukommen, der jetzt die Opposition gegen die Politik der Regierungführte, und er sagt bei einer solchen Gelegenheit von ihm:Ja, er ist nicht blotzein patriotischer Franzose, sondern auch ein Mensch von Genie, und manchmal,wenn er zu diesem Bewußtsein gelangt, vergißt er sein beschränkt örtliches nationales