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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
223
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Heine an Mignet. 223

Ich kann Ihnen nicht schreiben, ohne Sie um einen noch so kleinen Dienst zu bitten; ich bines gewohnt, Ihnen immer verpflichtet zu sein; heute bitte ich Sie darum, mir das Buch vonHerrn Thierry über die Eroberung Englands durch die Normannen zu leihen; wenn Sie das-selbe auf ein paar Wochen entbehren können, so wollen Sie es deni Ueberbringcr geben.

Ihr sehr ergebener

Heinrich Heine."

Zweifellos ist dieser Brief einer der interessantesten, die wir von Heine besitzen.Das Bekenntnis seiner Rückkehrzum Gottesglauben des gemeinen Mannes"stimmt genau mit denGeständnissen" und demNachwort" zumRomanzero"überein, die gleichfalls in jener Zeit entstanden sind. Das Buch von Thierry überdie Eroberung Englands durch die Normannen ward die Quelle für Heineswundervolle Ballade;Schlachtfeld bei Hastings", welche ebenfalls in jener Zeitentstanden ist. Der Brief selbst ist ein schönes Denkmal der Freundschaft zwischenHeine und Mignet, die ohne Unterbrechung bis zum Tode des Dichters gedauerthat. Neuerdings sind auch von anderer Seite drei Briefe Heines an Mignetveröffentlicht worden, aus denen hervorgeht, dast Mignet dem Dichter in seinenLiebesnöten beigestanden, daß er auch in seinen materiellen Verlegenheiten ihmtreulich geHolsen und den Vermittler zwischen dem deutschen Poeten und den fran-zösischen Tagesgrößen wie Thiers, Cousin u. a. gebildet hat.

So ist es nicht übertrieben, wenn man behauptet, daß Heine in diesem Freund-schaftsverhältnis zumeist der Empfangende gewesen ist, während Mignet schon seinerStellung nach in der erfreulichen Lage war, dem Dichter in allerlei Nöten bei-zustehen. Er war auch stets bereit, Heine mit Rat und That zu unterstützen.Nach neueren Ermittelungen war es Mignet, der Heine zu Thiers führte, und esist mehr als wahrscheinlich, daß er, vermutlich in Verbindung mit der FürstinBelgiojoso, Thiers zuerst die Lage Heines schilderte und um Hilfe für den durchdas Bundestagsdekret in seiner Existenz vernichteten deutschen Flüchtling bat. ZumDank dafür konnte Heine fünfzehn Jahre später für die Fürstin selbst bei demGrafen Anton Auersperg (Anastasius Grün) Fürsprache einlegen, um der italienischenPatriotin die ihr von der österreichischen Regierung konfiszierten Güter wiederzu verschaffen.

Eine Stelle in dem Briefe Heines an August Lewald (3. Mai 1836) deutetsogar daraus hin, daß Heine ihn hie und da auch bei seinen litterarischen Arbeitenzu Rate gezogen habe. Es heißt dort nämlich;Von Mignet habe ich die Vorredenoch nicht erhalten; sogar die solidesten Franzosen sind die llnzuverlässigkeit selbst".Diese Stelle kann sich meiner Meinung nach nur auf die Vorrede zum drittenBande desSalon" beziehen, die Heine damals schrieb, und die unter dem Titel;Ueber den Denunzianten" später erschienen ist.