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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
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Der Erbschastsstteit. 211

sind sie nicht mehr vollständig erhalten und in der Strodtmannschen Ausgabe vouHeines Werken nur verstümmelt abgedruckt. Lassalle selbst trug daran die Schuld;er hatte zur Zeit der Publikation, wie mir der selige Ludwig Löwe, der dieBriefe gelesen, versichert hatte, noch vielfache Rücksichten auf Lebende zu nehmenund konnte daher unmöglich die Briefe im Wortlaut mitteilen. Nur von einigenderselben ist es mir gelungen, in meiner kritischen Heine-Ausgabe und auch späternoch den vollen Wortlaut veröffentlichen zu können.

Die Freundschaft zwischen Heine und Lassalle entwickelte sich, wenn wir nachHeines Briefen urteilen dürfen, auf der Basis gemeinsamer Neigungen und Leiden-schaften. Beide waren dem ewig Weiblichen stark zugethan - Heine war ein unglück-licher alter Sünder, Lassalle ein glücklicher junger Frevler. So berichtet der Dichterseinem Genossen auch regelmäßig über die gemeinsamen Freundinnen.Madonnahabe ich noch nicht besucht, Eugenia ein einziges Mal Schwäche, dein Nameist Heine!" Ein andermal:Ich bin noch immer sehr leidend, kann fast garnicht sehen und meine Lippen sind so gelähmt, daß mir das Küssen verleidetwird, was noch unentbehrlicher ist als das Sprechen, dessen ich mich sehr wohlenthalten könnte". Ein drittes Mal:Mein körperlicher Zustand ist entsetzlich.Ich küsse, fühle aber nichts dabei, so stark gelähmt sind meine Lippen ... Trotzmeines elenden Körperzustandes suche ich mich zu zerstreuen, nur nicht bei Weibern,die mir jetzt den Garaus geben könnten; deshalb hatte ich auch noch nicht denMut, Atadonna zu besuchen - sie könnte aus Zerstreutheit sich in der Personirren". Der Brief schließt mit den Worten:Leben Sie wohl; ich dürste dar-nach, zu wissen, wie es Ihnen geht. Ihren Charakter kennend, bin ichIhretwegen nicht ohne die philisterhafteste Angst". Man muß wirklichdie prophetische Voraussicht bewundern, die aus diesem Schreiben (1846)hervorgeht.

Inzwischen hatte sich aber etwas zugetragen, was die Freundschaft zwischen Heineund Lassalle eigentlich hätte befestigen sollen, statt dessen aber gerade das Gegen-teil, nämlich ihre Auflösung, zu Wege brachte. Ferdinand Friedland, den wir bereitseingangs dieses Aufsatzes dem Leser vorgestellt und der jetzt entschieden in denVordergrund tritt, hatte inzwischen die schöne Schwester Ferdinand Lassalles geheiratetund war zu Heine in intime geschäftliche Beziehungen getreten. Ferdinand Fried-land war in der Thal ein großes Finanzgenie; er war halb Diplomat, halbFinanzier, ein Mann der größten Pläne und Spekulationen, der heute nicht einenSou in der Tasche hatte und morgen schon mit Tausenden um sich warf, fein,geschmeidig, weltkundig, elegant und seinen Freunden gegenüber dienstwillig. Vor-her schon hatte er Heine bei den kleinen Börsengeschäften, die dieser von Zeit zuZeit zu machen beliebte, gute Hilfe geleistet. Heine hatte diesen seltsamen Genossen

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