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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
208
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Lassalle ist der Baccalaureus, der bekanntlich im zweiten Teil desFaust" gegenseinen Lehrer sehr oft frech und herausfordernd wird. Aus diesem Briefe ent-nehmen wir aber auch noch das Tatsächliche, daß Lassalle bis dahin, also innerhalbeines Monats, bereits mit Varnhagen von Ense, mit Josef Mendelssohn, demChef des bekannten Bankhauses, mit Alexander v. Humboldt und sogar mit demFürsten Pückler-Muskau über die Angelegenheit Heines gesprochen und diese Männerfür eine Intervention bei dem Vetter des Dichters, Karl Heine in Hamburg,gewonnen hatte. Auch den berühmten Chirurgen, Professor I. C. Diefenbach,einen alten Universitätsfreund Heines, hatte Lassalle besucht, um ihn wegen derKrankheit des Dichters zu konsultieren. Es ist diese energische Thätigkeit Lassallesum so höher anzuschlagen, als er alle jene Männer bis dahin noch gar nichtgekannt hatte und erst zu diesem Zweck kennen lernte. Schon am 29. Januarschreibt Fürst Pückler an Varnhagen von Ense:Als Beweis, daß ich IhremWunsche, mich für Heine zu verwenden und Herrn Lassalle, soweit meine Kräftereichen, ernstlich zu unterstützen, treu nachgekommen, übersende ich Ihnen beifolgendeszur Durchsicht und bitte, es gütigst zu übersiegeln und an Herrn Lassalle weiterbefördern zu wollen". Es war dies eben jener Brief des Fürsten Pückler anKarl Heine, von dem der Dichter durchaus wünschte, daß er gedruckt werde, undden er in seiner enthusiastischen Weise nicht für ein einfaches Schreiben Pücklersan A. B. in Sachen C. D. hielt, sondern geradezu für eine geistige That, indemeiner der letzten Ritter der alten Geburtsaristokratie den Emporkömmlingen derneuen Geldaristokratie noch zuletzt eine Lektion giebt über das Thema der Ehre,und zwar zum Besten des beleidigten Genius". Lassalle beförderte diesen Briefsofort an Karl Heine und teilte ihn auch dem Dichter abschriftlich mit. HeinesWunsch dagegen, daß Varnhagen für dieAugsburger Allgemeine Zeitung" einenvon ihm mit seinem Namen zu unterzeichnenden Artikel, einen öffentlichen Appellan Karl Heine schreibe, und darin den Brief des Fürsten einflechte, ging jedochnicht in Erfüllung. Mit gewohnter Mäßigung riet Varnhagen von jederprovozierenden Veröffentlichung ab; er erklärte es für unschicklich, den Brief desFürsten drucken zu lassen, und hielt es für geeigneter, durch Vermittlung derBerliner Freunde erneute Versuche zu einer gütlichen Beilegung der Differenz zuunternehmen. So ist dieser merkwürdige Brief verloren gegangen. Aber dieAntwort Karl Heines an den Fürsten Pückler hat sich erhalten, und obwohl siestreng genommen eigentlich nicht zur Sache gehört, möchte ich dieses charakteristischeSchreiben hier doch veröffentlichen, weil es ein eigentümliches Streiflicht auf dieganze, so viel und so einseitig besprochene Angelegenheit wirft. Der Brief hatfolgenden Wortlaut:

298 Ferdinand Lassalle,