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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
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Die Trennung. Wagner über Heine.

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Kritik von Jahr zu Jahr verschärfte. In dem Aufsatz: Das Judentum in derMusik", 1852 geschrieben, findet sich das erste Urteil über Heine, soweit ich esbeurteilen kann, das gerechteste, aus einer genaueren Kenntnis des Dichters hervor-gegangen. Es lautet:In der Zeit aber, wo das Dichten bei uns zur Lügewurde, unserem gänzlich unpoetischen Lebenselemente alles mögliche, nur kein wahrerDichter mehr entsprießen wollte, da war es das Amt eines sehr begabten dichterischenJuden, diese Lüge, diese bodenlose Nüchternheit und jesuitische Heuchelei unsererimmer noch poetisch sich gebarenwollenden Dichterei aufzudecken". Wenn nun aberWagner, der diese Mission des Dichters richtig erkannte, später von Heine behauptet,daß ernun selbst wieder sich zum Dichter log und dafür auch seine gedichtetenLügen von unseren Komponisten in Musik gesetzt erhielt", so wird er, wie ich meine,weder damals allgemeine Zustimmung zu diesem Urteilsspruch gefunden haben,noch auch jemals diese finden.

Auch in der Studie überDeutsche Kunst und deutsche Politik" bietet sich Ver-anlassung, Heines zu gedenken. Wagner schildert dort den Verlauf unserer geistigenEntwickelung von Goethe bis auf dieJetztzeit" folgendermaßen:Eine andere Zeitwar angebrochen: die Jetztzeit, wie sie leibt und lebt. Der Besieger Platenssandte uns aus Paris, seiner Wahlheimat, seine witzigen Couplets in deutsch -poetischer Prosa zu, und Heinescher Geist ward jetzt der Vater einer Litteratur,deren Eigentliches in der Verspottung jeder ernstlichen Litteratur bestand. Wie zugleicher Zeit die Datonschen Karikaturen das Herz des Pariser Epiciers erfreuten,dem nun recht deutlich vor den Augen gezeigt wurde, daß alles Große und Ernstedoch eigentlich nur zum Belachtwerden da sei, so labten die Heineschen Witze dasGefühl des deutschen Publikums, welches sich jetzt über den Verfall der deutschenGeistesblüte mit dem ihm nun fast ersichtlich gemachten Gedanken trösten konnte,daß damit am Ende doch wohl nicht gar so viel verloren wäre". Die dritte und,soviel ich weiß, letzte Stelle, in der sich Wagner mit Heine beschäftigt, findet sichin dem AufsatzUeber das Dichten und Komponieren". Wagner zieht dort gegendie modernen Verskünstler, namentlich gegen Scheffel zu Felde, gegen dessen epischeGedichte seiner Ansicht nachselbst die Bänkelsängerreime Heinrich Heines immernoch einiges Vergnügen gewähren". Dieses Urteil, das abfälligste, das wohl jeüber Heines Dichtungen gefällt wurde, erbitterte zur Zeit, da es ausgesprochenwurde, die Verehrer und Freunde des Dichters auf das äußerste. Wir denken heutekühler darüber und sehen in diesen immer schroffer sich gestaltenden kritischen Urteilennur Symptome jener Weltanschauung, die zwei so hervorragende Geister trennenmußte. Wir hätten allerdings diese Urteile auch in etwas milderer Form gewünscht.Aber wer hat ein Recht, dem Genius seine Bahnen, dem Meister seine Worte undFormen vorzuschreiben? Doch wenn wir dies alles anerkennen und mit Verständnis