.Der Fliegende Holländer, 197
kann, vergleicht man beide Entwürfe, es nicht mehr bestreiten, das; Heine die drama-tische Grundlage zu dem Werke Wagners gegeben hat. Und dies ist um so wichtiger,als hier die Quelle entspringt, aus der Wagner selbst den ersten poetischen Labe-trunk geschöpft hat. „Von hier beginnt meine Lausbahn als Dichter", sagt er inder „Mitteilung an seine Freunde". Man wird es aus dem Späteren begreifen,warum ich hier besondern Wert daraus lege, zu konstatieren, daß gerade derethische Schluß der Dichtung, die Sühne und Versöhnung durch die Treue desWeibes, das Leitmotiv für Wagners gesamte Dichtungen geworden ist. DiesesWeib wird dann in poetischer Entwicklung „das Weib überhaupt, aber das nochunvorhandene, ersehnte, geahnte, unendlich weibliche Weib — sage ich es mit einemWort heraus^ das Weib der Zukunft". Und da gerade dieses Motiv desEntwurfs das geistige Eigentum Heines ist, so wird man doch wohl von einementscheidenden Einfluß des Dichters auf den Tonkünstler sprechen dürfen.
Wenig ist zur Geschichte des „Fliegenden Holländers" noch nachzutragen. WieWagner an der oben bereits angeführten Stelle mitteilt, verständigte er sich damalsmit Heine und reichte seinen Entwurf der großen Oper ein. Das Schicksal des-selben ist bekannt; Wagners Entwurf wurde angekauft und einem von Pilletprotegierten französischen Komponisten Dietsch übergeben. Unter dem Namen„Ts VoisseM kantüms" ging diese Oper am 9. November 1842 in Szene underfuhr eine Niederlage. Heine selbst berichtet darüber in seinen „Briefen über diemusikalische Saison" an die „Augsburger Allg. Zeitung" wie folgt: „Der FliegendeHolländer von Dietsch ist seitdem traurig gescheitert; ich habe diese Oper nichtgehört, nur das Libretto kam mir zu Gesicht, und mit Widerwillen sah ich, wiedie schöne Fabel, die ein bekannter deutscher Schriftsteller l'H. Heine) fast mund-gerecht für die Bühne ersonnen, in dem französischen Tert verhunzt worden". Indemselben Bericht erzählt Heine auch von der Abreise Wagners nach Deutschland.Soviel ich weiß, ist dies die einzige Stelle in seinen Schriften, wo er des Künstlerserwähnt mit folgenden Worten: „Welche traurigen Erfahrungen mußte Herr RichardWagner machen, der endlich der Sprache der Vernunft und des Magens gehorchend,das gefährliche Projekt, auf der französischen Bühne Fuß zu fassen, klüglich aufgabund nach dem deutschen Kartoffellande zurückflatterte".
Ueber den „Fliegenden Holländer" wie über Wagners spätere Dichtungen hatsich Heine wohl kaum mehr ausgesprochen, da ihm diese meist fremd geblieben sind.Und nur als ein Scherz ist aufzufassen, was Heine dem Schriftsteller TheodorHagen im Jahre 1844 in Bezug auf Wagner sagte: „Wissen Sie, was mir andiesem Talent verdächtig ist? Daß er von Meyerbeer empfohlen ist". In demAntagonismus gegen Meyerbeer hätten sich Wagner und Heine eigentlich schondamals und auch später noch zusammenfinden müssen. Es war aber nicht der Fall,