188 Friedrich Hebbel.
Dichtern ziemlich vervollständigen. Allerdings wird man diese Mitteilungen nachdem Vorhergegangenen nur cum N'-um salis aufnehmen dürfen.
Schon im ersten Briefe vom 3. Dezember 1844 heißt es über die Angelegen-heit des Telegraphen: „Heine sagte mir, Campe zählte darauf, daß Sie denTelegraphen übernehmen, indes merkte ich ihm an, daß es ihm unlieb wäre.Sie schreiben ihm nicht gemein genug, und er meinte, Ihr Vorwort (zur Tragödie»Maria Magdalena«) verstehe kein Mensch". Und im nächsten Briefe erzähltBamberg seinem Freunde Hebbel: „Heine ist sehr unglücklich, er kann nichtvergessen, dasz er einst gehofft hat, ein reicher Mann zu werden". Und am29. September 1845: „Heine ist fortwährend krank, blind auf einem Auge. AlteUebel! Neulich sagte er mir in geheimnisvollem Tone: »Der Geist! WissenSie, was der Geist ist? Nun die Krätze der Natur!«" — Ein andermalwarnte er Hebbel ausdrücklich vor Heine, indem er schreibt (31. Januar 1848):„Rechnen Sie nicht aus Heine, ich habe fruchtlose Versuche gemacht, und vermeidedieses poetische Rätsel jetzt, soviel ich kann, nachdem ich zwei Jahre lang seinintimster Vertrauter war. Mein Urteil über ihn steht längst fest, aber ich habe zuviel ästhetischen Sinn, um ihn den Lumpen gegenüber, die ihn angreifen, nicht zuverteidigen. Heine hat sich den Todesstreich durch seine eigene Schwäche versetzt,da er sich nach dem Tode seines Onkels nicht mit dem Gedanken versöhnen konnte,kein reicher Mann zu sein. Dies und der Aerger von dem ihm längst feindlichenKarl Heine, die Pension nur unter der Bedingung zu bekommen, wenn er nichtsüber Familienverhältnisse veröffentliche, hat ihn physisch gelähmt. Meiner Ansichtnach hatte er sich, da es nun einmal nicht anders war und er sich's bei seinemOnkel selbst verdorben hatte, zunächst mit dem Gedanken, kein reicher Mann zuwerden, zu versöhnen, dann ruhig die vermachten 15909 Francs anzunehmen unddie Pension vom Vetter unter einer so schmählichen Bedingung auszuschlagen.Statt dessen droht er mit einem Prozeß, mit Veröffentlichung von Dokumentenund ließ Varnhagen und Meyerbeer Briefe an Karl schreiben, die dieser sehrübel aufnahm. Da ich damals Heines Rat war, so glaube ich nicht wenig zurVerhinderung des Prozesses beigetragen zu haben, und zwar weil ich voraussah,daß die Wut in einigen Monaten ihn verzehren würde. Da nun Meyerbeerderjenige war, der die Pension bei Solomon Heine erwirkt hatte, so fing dieGereiztheit Heines gegen ihn an, als diese Pension nicht unbedingt lebenslänglichsollte fortgesetzt werden. Das eigentliche Motiv seiner Polemik besteht aber darin,daß Meyerbeer Heine die Musik zu Volksliedern versprochen hat, mit denen,seiner Ansicht nach, viel Geld zu verdienen gewesen wäre, und daß er diese Musikbisher nicht geliefert hat. Ich habe nun Karl Heines Brief an Meyerbeer gesehen,worin es wörtlich heißt, daß, wenn Heinrich sich je unterfangen würde, gegen