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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
Seite
181
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)Erster Besuch. 181

Strophen. Ich unterbrach ihn mit der Bemerkung, daß die Kritiker gerade diesesphantastische, bizarre Gewächs zum Tode verurteilt hätten. Es kam nun gleich einlebendiges Gespräch zwischen uns in Gang. Wir wechselten die geheimen Zeichen,an denen die Ordensbrüder sich einander zu erkennen geben, aus, und vertieftenuns in die Mysterien der Kunst. Mit Heine kann man das Tiefste besprechen, undich erlebte einmal wieder die Freude einer Unterhaltung, wo man bei dem anderennur anzuticken braucht, wenn man den eigensten Gedanken aus seinem Geisthervortreten lassen will. Das ist sehr selten. Er erzählte mir seltsame Dinge überJmmermann und Grabbe, welchen letzteren er sehr hoch hält. Von Immermannbehauptete er, er habe sich dadurch getötet, daß er das jahrelang bestandene Verhältnismit der Frau von Lützow ausgehoben und ein neues mit einer jungen Personangeknüpft habe. Der Tod, sagte er, ist nicht so zufällig, als man denkt. Er ist dasResultat des Lebens, und man bedenke sich wohl, wenn man in späteren Jahren nocheine Hauptveränderung machen will. Ich finde das außerordentlich wahr. GegenGutzkow zog er mit allen Waffen seines Witzes zu Felde. Ein Dichter, der keineGedichte macht, sei wie ein Baum ohne Blüten; aber Gutzkow, meinte er,werde nicht zu kurz kommen, denn wenn er stürbe, so würde Wihl sich hinsetzenund die zur Komplettierung nötigen Gedichte aus Freundschaft für ihn abfassenund seinem Nachlaß einverleiben. Auch auf einen sehr kitzlichen Punkt, aus seinBuch über Börne, brachte er das Gespräch, und ich verhehlte ihm meine Ansichtnicht. Im allgemeinen hat Heine einen unerwartet günstigen Eindruck auf michhervorgebracht. Er ist allerdings etwas angerundet, aber keineswegs dick, und in seinemGesicht mit den kleinen scharfen Augen liegt etwas Zutrauen-Einflößendes. Daß erDichter ist, tiefer, wahrer Dichter, ein solcher, der sich nicht bloß aus gut Glück insMeer hinuntertaucht, um einige Perlen zu stehlen, sondern der unten bei den Feenund Nirm wohnt und über ihren Reichtum gebietet, das tritt aus seiner Gestalt wieaus seiner Rede hervor. Seine Bemerkungen über Grabbe, Kleist, Jmmermanntrafen jedesmal den innersten Lebenspunkt. Ich glaube, er ist der unerbittlichsteFeind aller Mittelmäßigkeit, auch der wahrhast poetischen, die es zu nichts bringt,aber die Kraft weiß er zu respektieren. Uebrigens gab er sich Mühe, wie ichmerkte, und darin folgte er Campes Rat. Dieser schrieb ihm:Nehmen Sie sichselbst zusammen, denn Sie sehen in Hebbel einen Dichter, der bald - weiterkonnte ich nicht lesen, aber was folgte, kann nichts Schlimmes gewesen sein. Ichbitte Dich sehr, den vielleicht in Dir aufsteigenden Verdacht, als ob ich den Briefgeöffnet hätte, fahren zu lassen. Ein solches Verbrechen habe ich nicht begangen,obgleich es für einen Schriftsteller nicht ganz gleichgültig sein kann, was Campean Heine über ihn schreibt. Das Papier des Brieses war so durchsichtig, daß ichdie Stelle lesen mußte, sobald mein Auge nur auf die Adresse fiel."