Drittes Buch.Im EM.
Sechzehntes Kapitel. Channsso und die Schwaben.
H^m l, Mai des Jahres 1831 ging Heine über den Rhein nach Paris. Er-^H-ahnte nicht, daß er sein Vaterland für immer verlasse. Es ist eine Unwahr-heit, wenn man sagt, daß sein E.ril ein freiwilliges gewesen sei. Leider hat sichgerade ein angesehener deutscher Historiker dieser Unwahrheit schuldig gemacht.Heine ging erst, als ihm die Luft zu schwül wurde im Vaterlande, als „einegroße Hand ihm gar besorglich winkte". Wir wissen jetzt, daß es die mächtigeHand des Fürsten Metternich war, der sich in dem „melancholischen, süßen Gewässer"Heinescher Lyrik wie in einem Quell der Verjüngung zu baden liebte.
Er stand damals in seines Lebenstages Mittag. Als deutscher Dichter bekanntim ganzen Vaterlande, von vielen geliebt, von vielen gehaßt, von den meistengekannt, so durfte er noch vor seinem Scheiden die Wonnen und Qualen desDichterruhms voll auskosten. Der Meisterpinsel Moritz Oppenheims hat unsdas Bild des Dichters aus jener Lebensperiode erhalten. Auf der Durchreise saßer dem ausgezeichneten Maler in Frankfurt a. M., und das Oelgemälde Oppen-heims ist unzweifelhaft das beste Porträt Heines aus seinen Mannesjahren. Indiesem Bilde treffen alle Züge der Individualität des Dichters, wie sie ausseinem Leben und auch aus seinen Werken hervortreten, zu einem charakteristischenGanzen zusammen, und wir sagen uns unwillkürlich: Ja, so hat Heine ausgesehen!
So sah er aus, als er im Vollgefühl der Freiheit über die Boulevards spazierteund den Zauber der Weltstadt in vollen Zügen einatmete, so sah er aber auchaus, wenn er in dem bunten Treiben der Fremde der fernen stillen Heimatwehmütig gedachte und der Lieben, die er dort zurückgelassen.
Der heiße Zorn darüber, daß in seiner Wiege schon die Marschroute für seinganzes Leben gelegen habe, hat Heine nie verlassen, auch in den Tagen nicht, daer auf der Sonnenhöhe des Ruhmes und des Glückes stand. Und aus diesemZorn heraus richtete er jene scharfen und gar oft über das Ziel hinausschießenden