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Heinrich Heine : Aus seinem Leben und aus seiner Zeit
Entstehung
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128 Die italienische Reise.

lied; der Mond, das blasse Auge der Nacht, schaut mit Wehmut darauf hinab".Zunächst fesseln ihn in Genua die Paläste der ehemaligen Machthaber der Republik,der Doria, Marcello-Durazzo und anderer. In letzterem Palast sind es haupt-sächlich die Bilder, welche sein Interesse erregen, und eine Bemerkung, welche sichnur im Originalbrouillon der italienischen Reise vorfindet, die Heine aber spätergestrichen, mag hier als charakteristisch angeführt werden. Sie drängt sich ihm beidem Bilde von Paul Veronese, „Christus und Magdalena", auf und lautet:„Welche Malerei! Gott verzeih' mir die Sünde, für dieses Bild gebe ich meinenbesten Mieris, aber doch noch keinen Jan Steen. Das mutz noch viel besserkommen. Nur so viel merke ich: seit ich in Italien bin, werden meine Holländertäglich wohlfeiler. Zwei Stunden lang stand ich vor jener Magdalena". DiesesUrteil ist um so interessanter, als sich gerade in dieser Galerie einige ausgezeichneteBilder von Rubens, van Dyk und Ruisdael befinden. Uebrigens hat Heine auchin Genua fleißig gearbeitet, wie ich aus einem im Anhange befindlichen, bisherungedruckten Manuskript nachweisen kann. (Siehe 4. Beilage). Der Aufsatz sollteein Kapitel, vielleicht das vierunddreistigste, der „Reise von München nach Genua"werden. Heine hat ihn aber nicht vollendet und später vor den Schluß in derAbteilung „Die Stadt Lucca" (Kap.X) gestellt. Der ganze Entwurf ist zugleichcharakteristisch für seine Art zu arbeiten.

In Genua hielt sich Heine fünf Tage auf. Wenn wir seinem Briefe an Moservom K.September Glauben schenken dürfen, so hat er hier auch ein Abenteuererlebt. Dieser Bericht klingt allerdings etwas prahlerisch: „In Genua hat einSchurke bei der Madonna geschworen, mich zu erstechen- die Polizei sogar sagtemir, solche Leute hielten gewissenhaft ihr Wort, und riet mir gleich abzureisenich blieb aber sechs Tage und ging, wie gewöhnlich, des Nachts am Meere spazieren.Ich lese alle Abende im Plutarch, und ich sollte mich vor einem modernen Meuchel-mörder fürchten?" Etwas Näheres über diese Geschichte, wahrscheinlich ein Liebes-abenteuer, erfahren wir aus seinen Mitteilungen nicht. Falls Heine wirklich dieBekanntschaft der viel berufenen Bravos gemacht hätte, würden wir aus seinerReisebeschreibung doch wohl mehr darüber erfahren haben.

Von Genua ging Heine am 21. August nach Livorno, wo er bis zum 3. Septemberblieb. Aus dieser Stadt besitzen wir seinen ersten Brief, ohne Datum; nach einerNotiz auf der Rückseite desselben ist er wahrscheinlich vom 27. August. Er istan den Dichter Eduard von Schenk, damals Minister in Bayern, gerichtet undvon Interesse für Heines italienische Reise. Schon im Eingang des Briefes sprichter die Hoffnung aus, in zwei bis drei Wochen in Florenz einzutreffen, um dortauf dem Boden zu wandeln, wo Dante, Macchiavell, Lionardo da Vinci undMichel Angelo gewandelt. Der Freund ist neugierig, zu erfahren, welchen Eindruck