Heines Antwort, 12Z
er noch keine Ahnung von der Existenz einer Kongregation in München und einesMannes wie Döllinger haben konnte.
Ein einziges Mal erwähnt Heine den Namen Döllinger, und zwar in seinem„Romanzero". Dort ist ein Gedicht „Der Ex-Nachtwächter", welches sich gegenDingelstedt richtet, eigentlich aber das alte München seiner Zeit satirisch schildert.
In diesem Gedicht werden Maßmann, Schölling, Cornelius, Görres, kurz dieganze Kongregation und deren romantische Adepten aufgeführt, und dort findensich auch die bekannten Verse auf Döllinger:
Apropos! Der erzinfame Sah ihn am Charfreitag wallen
Pfaffe Dollingerius — In dem Zug der Prozession,
Das ist ungefähr fein Name — Von den dunkeln Männern allen
Lebt er noch am Jsarflutz? Wohl die dunkelste Person.
Dieser bleibt mir unvergeßlich! Ja, Monacho Monachorum
Bei dem reinen Sonnenlicht! Ist in unsrer Zeit der Sitz
Niemals schaut' ich solch ein hätzlich Der Mrorum obsmrorum,
Armesünderangesicht. Die verherrlicht Huttens Witz.
Wenn Professor Friedrich sagt, das; Heine die Lacher auf seiner Seite hatte, sohat er rechts wenn er aber hinzufügt, daß sich noch heute Döllingers Gegner andieser bitterbösen Persiflage ergötzen, so hat er entschieden unrecht. Soviel ichweiß, hat kein Anderer diese wenig schönen Verse Heines gegen Döllinger je wiedercitiert als gerade dessen jesuitischen Gegner!
Einen Zusammenhang dieser Verse mit der „Eos" hat allerdings ProfessorFriedrich jetzt unwiderleglich nachgewiesen. Er hätte noch einen „bitterbösen"Ausfall Heines gegen Döllinger wegen dessen Rede über die Universitäten in demBuche: „Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland" hinzufügenkönnen, wenn er sich die Mühe genommen hätte, in meine Heine-Ausgabe hinein-zusehen,- aber es kommt schließlich nicht mehr darauf an, und es genügt das, waswir hier vorgeführt haben.
Die Entwicklung Döllingers hat bekanntlich andere Bahnen eingeschlagen, alsseine Freunde und Gegner in jener Zeit vermutet hatten. Es unterliegt nichtdem geringsten Zweifel, daß auch Heine die flammende Liebe zur Wahrheit, diehehre Begeisterung für das gute Recht und die tiefe Gelehrsamkeit, zu der sichJgnaz v. Döllinger in seiner zweiten Lebenshälfte erhoben, freudig anerkannthaben würde. Freilich hätte er sicher dabei doch irgend welchen Witz angebracht,aber das war ja sein gutes Recht, ebenso wie es Döllingers gutes Recht war, dieAngriffe des Dichters gegen seine religiöse Ueberzeugung abzuwehren.