1tt> Heine contra Maßmann.
sichtlich all seine Angriffe zusammengestellt, weil sie zeigen, daß darin ein gewissesSystem waltete. Heine scheint über seine Feinde förmlich Buch geführt zu haben;eine bestimmte Anzahl von ihnen kehrt regelmäßig in seinen Prosaschriften wie inden Gedichten wieder. Er selbst rühmte sich einmal, daß er aus seinen FeindenDukaten schlage, in der Art, daß er selbst die Dukaten, seine Feinde aber dieSchläge bekämen. Doch ist dies nur in sehr bedingter Weise richtig. Gar ofthat er sich durch seine Angriffe leider selbst die empfindlichsten Schläge beigebracht.Durch die Art, wie er seiner glänzenden Polemik die schärfsten persönlichen Angriffebeimischte, hat er unzweifelhaft der guten Sache, die er vertrat, oft mehr geschadet alsgenützt. Es muß dies heute mit voller Offenheit ausgesprochen werden.
Woher rührte aber der Haß Heines gegen Maßmann? Die Frage ist bis jetztnicht einmal untersucht, geschweige denn beantwortet worden. Und doch wäre eswohl der Mühe wert, auf den Ursprung dieser tiefen Abneigung, die ja unzweifel-haft einen persönlichen Hintergrund hatte, zu gelangen.
Eine Bemerkung in seinem Buche über Börne führt uns vielleicht auf die Spurjenes Hasses, mit dem Heine den harmlosen Maßmann zeitlebens verfolgt hat.Er spricht dort über das Wartburgsest der deutschen Burschenschaft und kommtdann auf die sogenannten Altdeutschen zu sprechen. Dann sagt er weiter: „ImBierkeller zu Göttingen mußte ich einst bewundern, mit welcher Gründlichkeit meinealtdeutschen Freunde die Proskriptionsliste anfertigten, für den Tag, wo sie zurHerrschast gelangen würden. Wer nur im siebenten Glied von einem Franzosen,Juden oder Slawen abstammte, war zum Eril verurteilt; wer nur im mindestenetwas gegen Jahn und überhaupt gegen altdeutsche Lächerlichkeiten geschrieben hatte,konnte sich auf den Tod gefaßt machen und zwar auf den Tod durchs Beil, nichtdurch die Guillotine, obgleich diese ursprünglich eine deutsche Erfindung und schonim Mittelalter bekannt war unter dem Namen: »Die welsche Falle.« Ich erinneremich bei dieser Gelegenheit, daß man ganz ernsthaft debattierte: ob man einengewissen Berliner Schriftsteller, der sich im ersten Bande seines Werkes gegen dieTurnkunst ausgesprochen hatte, bereits auf die erwähnte Proskriptionsliste setzendürfe: denn der letzte Band seines Buches sei noch nicht erschienen, und in diesemletzten Band könne der Autor vielleicht Dinge sagen, die den inkriminierten Aeuße-rungen des ersten Bandes eine ganz andere Bedeutung erteilen".
Der Ursprung des Hasses, den Heine gegen Maßmann unzweifelhaft hegte,scheint mir also in Göttingen und in Heines Beziehungen zur Burschenschaftzu liegen. In Bonn hielt sich Heine zu der Burschenschaft, und die Eindrücke,die er in diesem Kreise empfangen, haben auf sein Schaffen bestimmend eingewirkt.Karl Hessel hat dies in seinem Essay: „Heinrich Heine und die Burschenschast"eingehend nachgewiesen. Anders war die Sache in Göttingen. Dort hielt sich, wie