108 Heine contra Maßmann.
mystischen Maurergilde. Ein weißgewaschener Lappen, der mit dem bloßen, alt-deutschen Halse tiefbedeutsam kontrastierte, bedeckte den Kragen dieses famosen Rockes,aus seinen langen Aermeln hingen lange, schmutzige Hände, zwischen diesen zeigtesich ein langmeiliger Leib, woran wieder zwei kurzweilige Beine schlotterten - dieganze Gestalt war eine katzenjämmerliche Parodie des Apoll von Belvedere."
Dieser äußeren Schilderung entspricht auch die des inneren Menschen: „Er istzu allem zu gebrauchen, wozu Springen, Kriechen, Gemüt, Fressen, Frömmigkeit,viel Altdeutsch, wenig Latein und gar kein Griechisch nötig ist. Er springt wirklichsehr gut übern Stock, macht auch Tabellen von allen möglichen Sprüngen undVerzeichnisse von allen möglichen Lesarten altdeutscher Gedichte. Dazu repräsentierter die Vaterlandsliebe, ohne im mindesten gefährlich zu sein".
Ich lasse vorläufig dahingestellt, ob diese Schilderung des „letzten Demagogen"auf Maßmann wirklich paßte. Aber sie bildet den Grundstock der Angriffe Heines,die dieser, wie gesagt, mit einer auffallenden Hartnäckigkeit fortsetzte. Im „Atta Troll"schildert er seinen Helden als die Blüte der Bildung, der nur die Muttersprache sprichtund den Jargon des Hellenen und des Römlings nimmer liebt.
„Frisch und frei und fromm und fröhlich,
Ist verhaßt ihm alle Seife,
Lu.rus, das moderne WaschenWie dem Turnkunstmeister Maßmann."
In dem Wintermärchen „Deutschland" kommt er abermals auf diesen Gegen-stand zurück: „Gottlob, der Maßmann spricht kein Latein". In seiner „Lutetia"fordert er Maßmann auf: „Springe deine vaterländisch freudigsten Sprünge, weilJenny Lind kein römisches Rotwelsch, sondern Gotisch, Skandinavisch, das deutschesteDeutsch spricht. Und du kannst sie als Landsmännin begrüßen, nur mußt du dichwaschen, ehe du ihr deine Hand reichst".
Mit der Zeit werden die Angriffe auf Maßmann bei Heine förmlich zu einerManie. Am häufigsten kehren sie in „Romanzero" wieder. In dem Gedicht aufden „Er-Nachtwächter" beklagt er München, das so viele treffliche Männerin letzter Zeit verloren:
War' der Maßmann nur geblieben!
Dieser hätte wohl am End'
Jenen Trübsinn Dir vertriebenDurch sein Purzelbaumtalent.
In den „Lamentationen" kommt Maßmanns Nase und sein mangelhaftes Lateinimmer wieder zum Vorschein. In einem der letzten Gedichte „Die Menge thutes" erkundigt er sich noch einmal nach Maßmann, ob er noch lebe.